Dennis Bühler – Journalist

Reportagen, Portraits, Interviews und Analysen aus Politik, Gesellschaft und Sport

«Es braucht Zeit, bis man hier Gspänli gefunden hat»

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Erinnerungen ParlamentarierEin erstes Jahr im Haifischbecken Bundesbern: Sechs im letzten Herbst neu gewählte National- und Ständeräte ziehen eine ganz persönliche Zwischenbilanz.

Sechs Erinnerungen, aufgezeichnet gemeinsam mit Florian Blumer und erschienen am 1. Oktober 2016 in der Südostschweiz und der Aargauer Zeitung / Nordwestschweiz.

Etwas ängstlich vielleicht, auf jeden Fall aber gespannt, reisten sie im vergangenen Dezember zum ersten Mal nach ihrer Wahl nach Bern: die fünf Nationalräte Sibel Arslan, Tim Guldimann, Duri Campell, Christoph Eymann und Roger Köppel sowie Ständerat Peter Hegglin – sechs von 68 neu ins eidgenössische Parlament gewählten Politikern. Vier Sessionen später haben wir sie gebeten, für uns eine ganz persönliche Zwischenbilanz zu ziehen.

Roger Köppel, SVP: «Noch kein zweiter Blocher»

«Christoph Blocher riet mir vehement von einer Kandidatur für den Nationalrat ab. Er sagte mir, ein Unternehmen wie die ‘Weltwoche’ lasse sich nicht nebenher führen. Auch ich war skeptisch – und unsicher, ob ich gewählt oder ob ich von allen ausgelacht würde. Zu meiner Erleichterung stiess ich mit dem besten Resultat aller Zeiten von SVP-Listenplatz 17 auf den ersten vor. Und meinem Verlag geht es nach wie vor bestens. Vielleicht hat sich Blocher in diesem Punkt geirrt.

Fast immer aber hat er recht. Wenn Sie nach meinem Einfluss fragen, antworte ich Ihnen: Blocher hat Einfluss. Noch immer. Nicht nur in der Partei, sondern im ganzen Land. Er versteht es wie kein Zweiter, die brennenden Themen Jahre im voraus zu wittern. Das schaffe ich nicht gleich gut – ich werde nie ein zweiter Blocher sein. Wenn Blocher den Kurs der Partei dereinst nicht mehr vorgeben kann, muss die Last auf mehrere Schultern verteilt werden.

Journalisten und politische Konkurrenten lechzen danach, mir nachweisen zu können, meine Ideale zu verraten. Vergeblich. Wegen meiner zwei Mandate bin ich zur gnadenlosen Ehrlichkeit verdammt. Deshalb hätte ich am Dienstag garantiert gegen das Burkaverbot gestimmt, wenn ich in Bern gewesen wäre und nicht in Frankreich, um Schriftsteller Michel Houellebecq zu interviewen. Ich sehe nicht ein, weshalb der Staat eine Kleiderordnung erlassen müsste. Da spielt es für mich keine Rolle, wenn ich so die Annahme der Initiative meines Parteikollegen Walter Wobmann verhindert hätte.»

Duri Campell, BDP: «Nicht immer ehrlich»

«Was machte mir dieses Theater anfänglich Mühe! Während ich versuche, Sachgeschäfte seriös und zum Wohle der Bevölkerung zu bearbeiten, sitzen einige Reihen neben mir Politikerinnen und Politiker, die ihr Amt vor allem als Show begreifen. Wenn das Fernsehen eine Debatte live überträgt, ist es besonders schlimm: Dann hilft auch die Redezeitbeschränkung nichts, weil sie ihre Voten mit einem faulen Trick verlängern. Dass es den SVP-Vertretern letzte Woche bei der Diskussion über die Masseneinwanderungsinitiative nicht peinlich war, sich innerhalb der eigenen Fraktion Pseudofragen zu stellen, finde ich erstaunlich.

Nicht nur an die Show, auch an die ständige Taktiererei musste ich mich nach meinem Wechsel vom beschaulichen Bündner Grossen Rat ins Bundesparlament zuerst gewöhnen. Manchmal schafft der National- einzig deshalb eine Differenz zum Ständerat, um im weiteren Verlauf der Debatte ein Verhandlungspfand in den Händen zu haben. Das ist nicht immer ehrlich.

Nicht immer ehrlich sind auch meine Kollegen. Mehrmals haben Vertreter anderer Parteien mit mir getroffene Abmachungen gebrochen und Vorstösse von mir plötzlich nicht mehr unterstützt, als es zählte. Es braucht Zeit, bis man unter der Bundeshauskuppel Gspändlis gefunden hat, denen man vertrauen kann. Immerhin: In der BDP fühle ich mich wohl. Die Tatsache, dass wir mit sieben Nationalräten und einem Ständerat eine kleine Fraktion bilden, führt dazu, dass wir gegenei­nander keine Ellbogen einsetzen und keine falschen Spiele spielen müssen.»

Die vier weiteren Erinnerungen lesen (pdf)…

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Written by Dennis Bühler

2. Oktober 2016 um 10:00

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