Dennis Bühler – Journalist

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Branche warnt vor einem SRG-Werbeverbot

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Der Chef des Werbe-Auftraggeberverbands warnt: «Einzig Google und Facebook hätten Freude an einem ganzen oder teilweisen Werbeverbot für die SRG.»

Ein Hintergrundbericht, erschienen am 7. März 2018 in der Südostschweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung.

Die Schlussfolgerung der Studie des Bundesamts für Kommunikation (Bakom) hat es in sich: Werde der SRG ein komplettes oder teilweises Werbeverbot auferlegt, «könnten internationale Plattformen wie Google oder Facebook einen wesentlichen Teil der SRG-Werbeeinnahmen absorbieren». Total würden rund 90 Prozent der heutigen SRG-Werbeeinnahmen «in Produkte fliessen, die keine journalistischen Inhalte für die Schweiz produzieren». Die hiesigen privaten TV-Sender könnten somit nur «bis zu 10 Prozent der heutigen Einnahmen der SRG aus Werbung und Sponsoring für sich gewinnen».

Das Bakom hält die Studie bisher unter Verschluss, da die nationalrätliche Verkehrs- und Fernmeldekommission noch nicht darüber diskutiert hat. Die «Südostschweiz» hat sie gestern jedoch publik gemacht, da sie in der aktuellen Diskussion von grosser Bedeutung ist: Auch nach der klaren Ablehnung der No-Billag-Initiative fordern zahlreiche SRG-Kritiker ein Werbeverbot zumindest in der Primetime ab 20 Uhr.

Die Zeitungsverleger gehen noch einen Schritt weiter: «Die SRG braucht keine Werbung», sagte Verbandspräsident und Tamedia-Boss Pietro Supino bereits 2015. Und auch im medienpolitischen Manifest des Verlegerverbands heisst es: «Längerfristig sollte sie ganz ohne Werbung und Sponsoring auskommen und die Kommerzialisierung ihres Angebots schrittweise reduzieren.» Entsprechend wenig hält Andreas Häuptli von der neuen Studie. Der Generalsekretär des Verbands kritisiert die Auswahl der zehn Experten, auf deren Aussagen sich die Bakom-Studie stützt: «Vertreter von Mediaagenturen fehlen völlig», sagt er. «Sie aber sind es, die Unternehmen bei der Streuung ihres Werbeetats in verschiedenen Medien beraten und somit am besten beurteilen könnten, wohin sich die Werbung von der SRG wegverschieben würde.»

Auf Anfrage der «Südostschweiz» stützen zwei der befragten Experten die Studienergebnisse. «Für die Effizienz von TV-Werbung achten Kunden und Agenturen auf eine hohe Reichweite», sagt Jürg Bachmann von der Goldbach Group. Werde Werbung bei der SRG beschränkt, verlöre das Medium TV an Attraktivität. Bachmann hält nur schon ein Werbeverbot in Abendstunden für gravierend. «Den Auftraggebern würden wichtige Zielgruppen genommen», warnt er. «Das könnte dazu führen, dass für den international doch eher kleinen TV-Werbemarkt keine Spots mehr produziert würden.»

Ins selbe Horn stösst Roland Ehrler*, Direktor des Werbe-Auftraggeberverbands: «Ein Verbot ab 20 Uhr wäre fast so schlimm wie ein komplettes Werbeverbot!», schimpft er. «Schliesslich sitzen am Abend die meisten Zuschauer vor ihren TV-Geräten, und dort geht die Post im Werbemarkt ab.» In Ehrlers Augen wäre ein Primetime-Verbot ein «Frontalangriff auf die Wirtschaftsfreiheit der Werbetreibenden», nachdem und obwohl diese das SRG-Programm jahrzehntelang mitfinanziert hätten. Und er ist überzeugt: «Google und Facebook hätten ihre Freude an solch unnötigen Regulationen der helvetischen Konkurrenz.»

* In der Printversion heisst der Direktor des Werbe-Auftraggeberverbandes fälschlicherweise Roger statt Roland Ehrler. Ich entschuldige mich für dieses Versehen.

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Written by Dennis Bühler

7. März 2018 um 11:00

Veröffentlicht in Aargauer Zeitung, Die Südostschweiz

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