Dennis Bühler – Journalist

Reportagen, Portraits, Interviews und Analysen aus Politik, Medien, Gesellschaft und Sport

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Der grosse Murks

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Gespannt wartete die Branche auf das neue Mediengesetz von Bundesrätin Doris Leuthard. Nun ist es da – und niemand ist zufrieden. Warum?

Ein Hintergrundartikel, erschienen am 28. Juni 2018 in der Schweizer Ausgabe der deutschen Wochenzeitung DIE ZEIT.

Als Doris Leuthard vergangene Woche in Bern vor die Medien tritt, um den bundesrätlichen Entwurf für ein Bundesgesetz über elektronische Medien vorzustellen, lehnt sich Andreas Häuptli in Zürich auf seinem Bürostuhl zurück und drückt den Sendebutton. «Transformationsbeitrag soll digitale Zukunft der Presse sichern», ist die Medienmitteilung überschrieben, die der Geschäftsführer des Verlegerverbandes tags zuvor vorbereitet hat. Das Communiqué ist beachtlich: Es markiert einen radikalen Positionswechsel.

Die Schweizer Verleger, die so stolz waren auf ihre Unabhängigkeit vom Staat, die sich, zumindest was ihre Zeitungen und Magazine angeht, seit Jahrzehnten gegen einen Ausbau staatlicher Subventionen wehrten, sie fordern nun das exakte Gegenteil: eine Ausweitung der Presseförderung.

Wegbrechende Werbeerträge, rückläufige Abonnementszahlen und fehlende Perspektiven haben ihre ordnungspolitischen Überzeugungen in den Hintergrund treten lassen. Wie so oft, wenn eine Branche vom Strukturwandel getroffen wird, schaut sie, was es beim Staat zu holen gibt.

Wie sich dieser Staat die medienpolitische Zukunft vorstellt, ist seit einigen Tagen bekannt. Künftig sollen nicht nur Radio- und Fernsehstationen subventioniert werden, die demokratie- und gesellschaftspolitisch relevante Inhalte ausstrahlen, sondern auch Online-Medien. Finanziert wird diese Förderung aus der Haushaltsabgabe, die die geräteabhängige Billag-Gebühr ablöst und 365 Franken pro Jahr betragen wird. Eine neue Kommission für elektronische Medien (Komem) soll entscheiden, wer auf direktem oder indirektem Wege in den Genuss staatlicher Förderung kommt.Die möglichen Empfänger dieser Fördergelder sind allerdings stark eingegrenzt. Wegen der Bundesverfassung, die keine Förderung von Printmedien vorsieht, und aus Rücksichtnahme auf die Verleger, die keine zusätzliche, staatlich geförderte Konkurrenz wollen.

Aus dem geplanten großen Wurf ist ein medienpolitischer Murks geworden. So sollen nicht, wie ursprünglich geplant, sämtliche journalistischen Online-Projekte gefördert werden, sondern nur solche, die «im Wesentlichen mit Audio- und audiovisuellen Medienbeiträgen erbracht werden». Von Großverlagen unabhängige journalistische Projekte wie Zentral plus, Republik oder Bon pour la tête gehen leer aus.

Der Verlegerverband ist trotzdem nicht ganz zufrieden. Die Verleger wollen nicht nur Rücksichtnahme auf ihre Geschäfte, sie wollen auch mehr Unterstützung durch den Staat. Wie viel und in welcher Form, darauf haben sie sich noch nicht geeinigt, obwohl die Vernehmlassung von Leuthards Gesetz nun begonnen hat. Man rechne noch, sagt Häuptli, im Juli wolle man ein Ergebnis präsentieren.

Auch wenn inzwischen mehr als 90 Prozent der Schweizer Erwachsenen täglich online gehen, ist das Internet für viele Verlage noch immer Neuland. Mit der Frage, wie Online-Journalismus funktioniert und wie damit Geld zu verdienen wäre, haben sich vor allem die kleinen und mittelgroßen Unternehmen noch zu wenig ernsthaft auseinandergesetzt.

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Written by Dennis Bühler

2. Juli 2018 at 16:00

Veröffentlicht in DIE ZEIT

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Branche warnt vor einem SRG-Werbeverbot

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Der Chef des Werbe-Auftraggeberverbands warnt: «Einzig Google und Facebook hätten Freude an einem ganzen oder teilweisen Werbeverbot für die SRG.»

Ein Hintergrundbericht, erschienen am 7. März 2018 in der Südostschweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung.

Die Schlussfolgerung der Studie des Bundesamts für Kommunikation (Bakom) hat es in sich: Werde der SRG ein komplettes oder teilweises Werbeverbot auferlegt, «könnten internationale Plattformen wie Google oder Facebook einen wesentlichen Teil der SRG-Werbeeinnahmen absorbieren». Total würden rund 90 Prozent der heutigen SRG-Werbeeinnahmen «in Produkte fliessen, die keine journalistischen Inhalte für die Schweiz produzieren». Die hiesigen privaten TV-Sender könnten somit nur «bis zu 10 Prozent der heutigen Einnahmen der SRG aus Werbung und Sponsoring für sich gewinnen».

Das Bakom hält die Studie bisher unter Verschluss, da die nationalrätliche Verkehrs- und Fernmeldekommission noch nicht darüber diskutiert hat. Die «Südostschweiz» hat sie gestern jedoch publik gemacht, da sie in der aktuellen Diskussion von grosser Bedeutung ist: Auch nach der klaren Ablehnung der No-Billag-Initiative fordern zahlreiche SRG-Kritiker ein Werbeverbot zumindest in der Primetime ab 20 Uhr.

Die Zeitungsverleger gehen noch einen Schritt weiter: «Die SRG braucht keine Werbung», sagte Verbandspräsident und Tamedia-Boss Pietro Supino bereits 2015. Und auch im medienpolitischen Manifest des Verlegerverbands heisst es: «Längerfristig sollte sie ganz ohne Werbung und Sponsoring auskommen und die Kommerzialisierung ihres Angebots schrittweise reduzieren.» Entsprechend wenig hält Andreas Häuptli von der neuen Studie. Der Generalsekretär des Verbands kritisiert die Auswahl der zehn Experten, auf deren Aussagen sich die Bakom-Studie stützt: «Vertreter von Mediaagenturen fehlen völlig», sagt er. «Sie aber sind es, die Unternehmen bei der Streuung ihres Werbeetats in verschiedenen Medien beraten und somit am besten beurteilen könnten, wohin sich die Werbung von der SRG wegverschieben würde.»

Auf Anfrage der «Südostschweiz» stützen zwei der befragten Experten die Studienergebnisse. «Für die Effizienz von TV-Werbung achten Kunden und Agenturen auf eine hohe Reichweite», sagt Jürg Bachmann von der Goldbach Group. Werde Werbung bei der SRG beschränkt, verlöre das Medium TV an Attraktivität. Bachmann hält nur schon ein Werbeverbot in Abendstunden für gravierend. «Den Auftraggebern würden wichtige Zielgruppen genommen», warnt er. «Das könnte dazu führen, dass für den international doch eher kleinen TV-Werbemarkt keine Spots mehr produziert würden.»

Ins selbe Horn stösst Roland Ehrler*, Direktor des Werbe-Auftraggeberverbands: «Ein Verbot ab 20 Uhr wäre fast so schlimm wie ein komplettes Werbeverbot!», schimpft er. «Schliesslich sitzen am Abend die meisten Zuschauer vor ihren TV-Geräten, und dort geht die Post im Werbemarkt ab.» In Ehrlers Augen wäre ein Primetime-Verbot ein «Frontalangriff auf die Wirtschaftsfreiheit der Werbetreibenden», nachdem und obwohl diese das SRG-Programm jahrzehntelang mitfinanziert hätten. Und er ist überzeugt: «Google und Facebook hätten ihre Freude an solch unnötigen Regulationen der helvetischen Konkurrenz.»

* In der Printversion heisst der Direktor des Werbe-Auftraggeberverbandes fälschlicherweise Roger statt Roland Ehrler. Ich entschuldige mich für dieses Versehen.

Written by Dennis Bühler

7. März 2018 at 11:00

Veröffentlicht in Aargauer Zeitung, Die Südostschweiz

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Wer­be­ver­bot für SRG: Geld flös­se ins Aus­land

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Trotz der kla­ren Ab­leh­nung der No-Bil­lag-Ini­tia­ti­ve wird die Forderung nach ei­nem Wer­be­ver­bot für die SRG laut. Ei­ne Stu­die des Bundes­amts für Kom­mu­ni­ka­ti­on aber zeigt, dass ein Wer­be­ver­bot nicht dem Jour­na­lis­mus zu­gu­te kä­me – im Ge­gen­teil.

Ein Hintergrundbericht, erschienen am 6. März 2018 in der Südostschweiz, der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung sowie im St. Galler Tagblatt und der Luzerner Zeitung.

Die SRG solle «abspecken» und auf einen Teil ihrer Programme und Sendungen verzichten: Obwohl am Sonntag 72 Prozent der Stimmenden Nein sagten zur radikalen No-Billag-Initiative, hört man solche Forderungen nach wie vor. Daran ändert auch der demütige Auftritt von SRG-Generaldirektor Gilles Marchand nichts, der noch am Sonntag ein Sparprogramm inklusive Entlassungen ankündigte und diverse Konzessionen gegenüber den privaten Verlegern machte.

Eine Forderung, die vor und nach No Billag immer wieder auftaucht, ist jene nach einem Werbeverbot für die SRG. «In der Primetime ab 20 Uhr soll die SRG keine Werbung mehr ausstrahlen dürfen», sagt etwa der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. In seiner Antwort auf eine gestern im Ständerat diskutierte Interpellation des Freiburger CVP-Politikers Beat Vonlanthen schliesst auch der Bundesrat ein teilweises Werbeverbot nicht mehr kategorisch aus: Was neue Werbeformen betreffe, sei er der Ansicht, dass der SRG und den anderen konzessionierten Veranstaltern die neuen Werbeentwicklungen nicht vorenthalten werden sollten, heisst es in der Antwort, die Bundesrätin Doris Leuthard in der kleinen Kammer präsentierte. «Besser als technische Verbote wären weitere Werbebeschränkungen, etwa ab 20 Uhr, oder eine Obergrenze.»

Allerdings: Ausgerechnet eine aktuelle Studie des Bundes rät dezidiert von einem auch nur teilweisen Werbeverbot ab. «Die bei einem partiellen Werbeverbot auf den SRG-Fernsehkanälen frei werdenden Werbegelder würden zu einem grossen Teil dem Schweizer Markt und dem Schweizer Journalismus entzogen», lautet das Fazit eines elfseitigen Papiers, das bisher unter Verschluss gehalten, nun aber der «Südostschweiz» zugespielt wurde. Verfasst wurde es vom Bundesamt für Kommunikation (Bakom) im Auftrag der nationalrätlichen Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen, datiert ist es auf den 22. Januar dieses Jahres.

2016 habe das Fernsehen in der Schweiz Werbeeinnahmen von 722 Millionen Franken verbuchen können, heisst es zuerst in einer Bestandesaufnahme. «Fast die Hälfte der Fernsehwerbung wurde bei der SRG gebucht.» Basierend auf der Befragung von zehn Werbeexperten wagt das Bakom in der Folge eine detaillierte Prognose: Aufgrund des zunehmend fragmentierten Publikums und des Trends zur zeitversetzten Nutzung werde es zukünftig schwieriger, das Publikum mit Werbung zu erreichen. «Fernsehwerbung wird damit an Reichweite und somit an Attraktivität verlieren. Demnach würden die Einnahmen der gesamten TV-Branche längerfristig in ähnlichem Ausmass sinken wie jene der Presse in den letzten Jahren.» Das sind dramatische Worte. Denn: Die Werbeeinnahmen der gedruckten Presse sanken von 2011 bis 2016 von etwa zwei Milliarden Franken auf rund 1,2 Milliarden Franken.

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Written by Dennis Bühler

6. März 2018 at 14:00

Schon abgestimmt? Am Sonntag geht’s um No Billag.

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Haben Sie schon abgestimmt? Am 4. März geht’s bei No Billag um die Zukunft des Medienplatzes Schweiz.

Ich habe in den vergangenen zwölf Monaten etliche Artikel zu dieser Abstimmung geschrieben: Ein Q&A zur Initiative, ein Interview mit der zuständigen Bundesrätin, mehrere Hintergrundartikel zum Radio, zur TV-Landschaft, zum jungen Publikum und zu Plänen, SRF 2 abzuschaffen. Ich habe aber auch über einen etwas kleinlichen Streit unter Wissenschaftlern berichtet. Doch seht selbst – vielleicht erleichtert Ihnen folgender Überblick mit meinen zwölf wichtigsten Artikeln ja die Stimmentscheidung:

Written by Dennis Bühler

2. März 2018 at 18:04

Den Me­dien glaubt er längst kein Wort mehr

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Auch wenn die No-Bil­lag-Initiative wohl ab­ge­lehnt wird: Die Tat­sa­che, dass die Me­dien­bran­che überhaupt monat­elang zit­tern muss­te, ist Aus­druck ih­res Glaub­wür­dig­keits­ver­lusts. Und da kommt This Bür­ge ins Spiel.

Ein Porträt, erschienen am 2. März 2018 in der Südostschweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung.

This Bürge ist zuversichtlich, allen offiziellen Umfragen zum Trotz: Noch zwei Mal schlafen, bis die Stimmbevölkerung die Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren beschliesst. Es gehe ihm dabei um mehr als den Jahresbeitrag von bisher 451 und künftig 365 Franken, sagt er mit Nachdruck. «Es geht um die Überwindung des Faschismus, um Frieden auf der Welt.»

In den Augen Bürges ist die SRG ein Propagandavehikel der Nato, die weltweit illegale Kriege führe. Wie alle «Mainstream-Medien», zu denen Bürge auch die «Südostschweiz» zählt, manipuliere sie subtil die Meinungsbildung. Zeitungen, Radio, Fernsehen: Der 60-jährige St. Galler hält sie allesamt für gleichgeschaltet. Deshalb informiert er sich via Twitter, wo er selbst Meldungen der NachDenkSeiten oder von KenFM verbreitet – Websites, die Experten als verschwörungstheoretisch bezeichnen. «Aus solchen Etikettierungen spricht Hilflosigkeit», sagt Bürge. Auch dem vom russischen Staat finanzierten RT vertraut er mehr als den hiesigen Medien.

Soll man einem wie Bürge eine Plattform geben? Die «Südostschweiz» hat sich lange mit dieser Frage auseinandergesetzt – und sich aus zwei Gründen für ein Ja entschieden. Zum einen war Bürge der Erste, der politisch gegen die Billaggebühren mobil gemacht hat. Zum anderen steht er stellvertretend für einen immer grösser werdenden Kreis von Personen, die sich von den herkömmlichen Medien abwenden. Wer This Bürge porträtiert, porträtiert keine Einzelperson, er porträtiert ein Milieu.

Doch der Reihe nach. 2011 lanciert der in der Öffentlichkeit bis dahin völlig unbekannte Bürge gemeinsam mit Familienmitgliedern eine Volksinitiative, die sich auf fünf Worte beschränkt: «Der Bund erhebt keine Empfangsgebühren.» Statt der erforderlichen 100 000 Unterschriften kommen nur deren 6000 zusammen. Bürge aber ist sich sicher: «Wie ein kleiner Schneeball immer grösser und grösser wird, wird die zweite Initiative erfolgreicher sein als die erste.» 2013 startet er den nächsten Versuch. Nun fordert er nicht mehr bloss die Aufhebung der Gebühren, sondern zusätzlich die Auflösung der SRG. Erneut scheitert er hochkant: Dieses Mal sind bis zum Ende der anderthalbjährigen Sammelfrist gut 10 000 Unterschriften eingegangen.

Bürge aber gibt nicht auf. «Irgendwann fällt die Zwangsgebühr!», lässt sich der Taxifahrer , Hauswart und Blogger zitieren. Ende 2017, Anfang 2018 scheint er dem Ziel nahe gekommen zu sein. Olivier Kessler, als Freiheitsfanatiker ein Bruder im Geiste, lässt mit seiner No-Billag-Initiative Politik und Medien den Atem stocken. Wie Bürge misstraut Kessler den Medien zutiefst.

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Written by Dennis Bühler

2. März 2018 at 18:03

Der «Are­na»-Domp­teur steht im Au­ge des Sturms

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SRF-Mo­de­ra­tor Jo­nas Pro­jer ist hef­ti­gen An­fein­dun­gen aus­ge­setzt: Aus dem La­ger der No-Bil­lag-Ini­ti­an­ten genau­so wie von an­ony­men Twit­te­rern. Kann der 37-jährige Sen­krechts­tar­ter die­se Kri­tik wegs­te­cken?

Ein Hintergrundartikel, erschienen am 9. Februar 2018 in der Südostschweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung.

Seit Tagen übertreffen sich Newsportale und Zeitungen mit Schlagzeilen. Der «Tages-Anzeiger» wirft ihm «unnötige Selbstinszenierung» vor, die «Basler Zeitung» nennt ihn «eloquent und arrogant», und in der «Weltwoche» verunglimpft ihn PR-Berater Klaus J. Stöhlker als «Murmeli im Jeff-Koons-Look». Kurzum: Der Mann steht im Kreuzfeuer der Kritik. Und weil ihn das nicht kalt lässt, ja er am Telefon gar niedergeschlagen und demoralisiert wirkt, sagt «Arena»-Moderator Jonas Projer nichts mehr zur letzten Sendung, zu seiner Strafanzeige oder zu seinem Rollenverständnis im Abstimmungskampf. Er dürfte nicht mal, wenn er wollte: Die SRF-Spitze hat ihm einen Maulkorb verpasst. So will sie ihn auf dem Höhe-, besser: Tiefpunkt der No-Billag-Auseinandersetzungen schützen.

Doch der Reihe nach: Zwei Diskussionen über die No-Billag-Initiative übersteht Projer im November und im Januar unbeschadet, für seine souveräne Moderation erhält er Lob von beiden Lagern. Dann lädt er vergangenen Freitag erneut zur «Arena». Direkt vor Aufzeichnungsbeginn provoziert No-Billag-Initiant Olivier Kessler vor versammelter Gästeschar einen Eklat. Projer sei als «Zwangsgebühren-Profiteur» nicht unabhängig genug, um Bundesrätin Doris Leuthard zu interviewen, sagt er. Daher werde er diese Aufgabe übernehmen. «Dieser Knall hat Projer, nachvollziehbarerweise, aus dem Konzept gebracht», sagt der Zuger FDP-Ständerat Joachim Eder, der im Studio dabei war. Wie Kessler sei danach auch Projer rechthaberisch aufgetreten und allen Gästen noch häufiger ins Wort gefallen als bei früheren Sendungen.

Sofort gehen in den sozialen Medien die Wogen hoch. Die oft unqualifizierten Gifteleien gipfeln in der Morddrohung eines anonymen Twitterers. Man werde Projer mitten in der Nacht aufsuchen «und dich richten». Der Moderator selbst verbreitet den Tweet weiter, versehen mit einer Frage an seine Follower: «Soll man das der Polizei melden, oder wäre das überreagiert?» Auf Anraten der Community erstattet er am Montag Anzeige wegen Drohung.

Auch wenn sich Projer Kritik gewohnt sei: Solche Anwürfe wie nach seiner 135. «Arena» träfen ihn hart, ist sich Thomas Schäppi sicher, der in der SRF-Chefredaktion für die Programmentwicklung zuständig ist. «Jonas ist weder cool noch überheblich, sondern sensibel und empathisch.» Weil er sich stets verbessern wolle, hinterfrage er sich ständig. «Sein Perfektionismus kann für ihn zur Belastung werden.»

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Written by Dennis Bühler

9. Februar 2018 at 10:30