Dennis Bühler – Journalist

Reportagen, Portraits, Interviews und Analysen aus Politik, Medien, Gesellschaft und Sport

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«Ich selber sah mich nie als Mephisto»

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Bildschirmfoto 2016-07-11 um 11.56.53Seit bald drei Monaten ist Gerhard Pfister CVP-Präsident. Von vielen als Rechtsaussen verunglimpft, sieht er sich selbst als bürgerlich. Er tröstet sich mit Marcel Reich-Ranicki: «Wer etwas taugt, ist immer eine umstrittene Figur.»

Ein Interview, geführt gemeinsam mit Lorenz Honegger und erschienen am 11. Juli 2016 in der Südostschweiz sowie der Aargauer Zeitung / Nordwestschweiz.

Mit Begeisterung posiert Gerhard Pfister in der grossen Halle des Hauptbahnhofs Zürich unter dem Schutzengel von Niki de St. Phalle, schliesslich zieht der Lehrer für Philosophie und Literatur sowohl aus der Religion als auch der Kunst viel Kraft. Beim Interview in der nahen Brasserie wird der CVP-Präsident zwei Mal unterbrochen: Erst von einem Passanten, der wutentbrannt «bessere Politiker» fordert – Pfister bedankt sich artig für die «Bestellung» –, dann von einem, der ihn als «gute Wahl für unser Land» lobpreist. Pfister freut sich sichtlich. In den Monaten vor seiner Wahl war er mancherorts verteufelt worden.

Herr Pfister, obwohl sich dies noch im Herbst auch innerhalb Ihrer Partei niemand hätte vorstellen können, wurden Sie Mitte April ohne Gegenkandidat zum CVP-Präsidenten gewählt. Die abtretende St. Galler Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz etwa sagte vor Ihrer Wahl: «Die Machtübernahme durch Pfister ist ein Zeichen der mangelnden Zivilcourage der heutigen Parlamentarier.»

Gerhard Pfister: Diese Kritik richtete sich mehr gegen meine Kollegen als gegen mich. Aber es ist schon so: Auch wenn letztlich niemand gegen mich antrat, hatte ich parteiintern und medial mit grossem Widerstand zu kämpfen. Es war offensichtlich, dass ich nicht allen genehm war. Die Medien zeichneten ein Bild, als wollte ich aus der Vorhölle direkt ins Zentrum der Macht aufsteigen. Ich selbst sah mich nie als Mephisto.

Perlten diese Anfeindungen einfach an Ihnen ab?

Kritik, die sich gegen meine Politik richtet, ist völlig in Ordnung. Die Vehemenz der persönlichen Beleidigungen von Leuten, die mich gar nicht richtig kennen, hat aber auch mich überrascht. Wenn immer ich mich unberechtigt angegriffen fühlte, erinnerte ich mich an folgenden Satz, den Peter Handke dem grossen Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki zuschrieb: «Wer etwas taugt, ist immer eine umstrittene Figur.»

Sie haben die Kritik zum Lob umgedeutet?

So gut es ging. Und ich sagte mir: Immerhin weiss man bei mir im Unterschied zu manch anderem Politiker, welches meine Überzeugungen sind.

In der Tat: Sie stehen am äussersten rechten Rand Ihrer Partei. Ist es Ihnen in den ersten 79 Tagen Ihrer Präsidentschaft schon gelungen, die CVP nach rechts zu führen?

Man sollte den Gestaltungsspielraum eines Präsidenten einer demokratisch geprägten Partei nicht überschätzen – so schnell lässt sich ein Kurs nicht korrigieren. Und ich möchte es klar sagen: Es war und ist nicht mein Ziel, die CVP von Grund auf zu ändern. Vielmehr werden sich die Partei und ich einander annähern.

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Written by Dennis Bühler

11. Juli 2016 at 12:00

«Das Schildkröten-Tempo der Nati erinnert an den FC Nationalrat»

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Bildschirmfoto 2016-06-10 um 13.28.56Im Parlament sind sie selten gleicher Meinung, gemeinsam aber schnüren sie die Fussballschuhe: Thomas Minder, Eric Nussbaumer und Marcel Dobler – drei Leistungsträger des FC Nationalrats – im lockeren Gespräch über die Europameisterschaft, Korruption und Frauenfussball.

Ein Interview am Tag vor der Fussball-EM in Frankreich, geführt gemeinsam mit Stefan Schmid und erschienen am 10. Juni 2016 in der Südostschweiz sowie der Aargauer Zeitung / Nordwestschweiz.

Herr Minder, Herr Dobler, Herr Nussbaumer, was trauen Sie der Schweizer Nationalmannschaft an der EM zu?

Minder: Das letzte Testspiel gegen Moldawien war für uns Zuschauer eine Qual – das Schildkröten-Tempo in diesem Match hat mich an unsere Spiele mit dem FC Nationalrat erinnert. Deshalb: Ich traue ihr gar nichts zu.

Dobler: Auch ich bin skeptisch. Verliert die Nati morgen gegen Albanien – und das ist durchaus möglich –, wird die Qualifikation für den Achtelfinal sehr schwierig. Die Erfolgschancen sehe ich bei etwa 60 Prozent.

Nussbaumer: Die Nati hat dasselbe Problem, wie wir es beim FC Nationalrat hatten, bevor die St. Galler Bevölkerung glücklicherweise Marcel Dobler ins Parlament gewählt hat: Es fehlt ihr auf den letzten 20, 30 Metern vor dem gegnerischen Tor an Durchschlagskraft.

Minder: Das stimmt. Ohne Dobler läuft bei uns nichts (alle lachen).

(…)

Musiker Büne Huber hat kürzlich gesagt, im Unterschied zu Eishockeyanern seien Fussballer Pussys, die ständig simulieren und reklamieren. Hat er recht?

Dobler: Fussballer lernen heute von klein auf, dass sich Schwalben lohnen können. Zwar schinden auch sie ihre Körper und müssen im Verlauf ihrer Karriere viel einstecken – im Vergleich zu Bobfahrern sind sie aber schon kleine Mimosen (schmunzelt).

Sie gelten auf dem Fussballplatz nicht als einfacher Spieler, Herr Minder.

Minder: Zimperlich war ich nie, das stimmt. Letztes Jahr habe ich mir beim Länderspiel gegen Finnland bei einem Zusammenstoss mit dem Goalie gar die Nase gebrochen. Und doch gehe ich wieder engagiert in jedes Kopfballduell.

Wir wollten eigentlich eine andere Szene ansprechen: Erinnern Sie sich an Carlos Varela?

Minder: Stimmt, da war was (lacht).

Vor zehn Jahren provozierten Sie als Teambetreuer des FC Schaffhausen den damaligen YB-Spieler, bis er auf Sie losging und mit einer Roten Karte vom Feld geschickt wurde.

Minder: Ich habe meinen Beitrag zum damaligen 1:0-Sieg geleistet (lacht). Zum Glück ist die Sache mittlerweile verjährt.

Sind Sie beim FC Nationalrat auch so aufbrausend?

Minder: Meistens halte ich mich zurück. Laut wurde ich letztmals, als ich mein Unverständnis äusserte, dass bei uns auch Frauen mitspielen dürfen – trotzdem stellt Trainer Roger Hegi noch immer ab und zu eine Frau auf.

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Written by Dennis Bühler

10. Juni 2016 at 14:00