Dennis Bühler – Journalist

Reportagen, Portraits, Interviews und Analysen aus Politik, Gesellschaft und Sport

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«Das Schildkröten-Tempo der Nati erinnert an den FC Nationalrat»

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Bildschirmfoto 2016-06-10 um 13.28.56Im Parlament sind sie selten gleicher Meinung, gemeinsam aber schnüren sie die Fussballschuhe: Thomas Minder, Eric Nussbaumer und Marcel Dobler – drei Leistungsträger des FC Nationalrats – im lockeren Gespräch über die Europameisterschaft, Korruption und Frauenfussball.

Ein Interview am Tag vor der Fussball-EM in Frankreich, geführt gemeinsam mit Stefan Schmid und erschienen am 10. Juni 2016 in der Südostschweiz sowie der Aargauer Zeitung / Nordwestschweiz.

Herr Minder, Herr Dobler, Herr Nussbaumer, was trauen Sie der Schweizer Nationalmannschaft an der EM zu?

Minder: Das letzte Testspiel gegen Moldawien war für uns Zuschauer eine Qual – das Schildkröten-Tempo in diesem Match hat mich an unsere Spiele mit dem FC Nationalrat erinnert. Deshalb: Ich traue ihr gar nichts zu.

Dobler: Auch ich bin skeptisch. Verliert die Nati morgen gegen Albanien – und das ist durchaus möglich –, wird die Qualifikation für den Achtelfinal sehr schwierig. Die Erfolgschancen sehe ich bei etwa 60 Prozent.

Nussbaumer: Die Nati hat dasselbe Problem, wie wir es beim FC Nationalrat hatten, bevor die St. Galler Bevölkerung glücklicherweise Marcel Dobler ins Parlament gewählt hat: Es fehlt ihr auf den letzten 20, 30 Metern vor dem gegnerischen Tor an Durchschlagskraft.

Minder: Das stimmt. Ohne Dobler läuft bei uns nichts (alle lachen).

(…)

Musiker Büne Huber hat kürzlich gesagt, im Unterschied zu Eishockeyanern seien Fussballer Pussys, die ständig simulieren und reklamieren. Hat er recht?

Dobler: Fussballer lernen heute von klein auf, dass sich Schwalben lohnen können. Zwar schinden auch sie ihre Körper und müssen im Verlauf ihrer Karriere viel einstecken – im Vergleich zu Bobfahrern sind sie aber schon kleine Mimosen (schmunzelt).

Sie gelten auf dem Fussballplatz nicht als einfacher Spieler, Herr Minder.

Minder: Zimperlich war ich nie, das stimmt. Letztes Jahr habe ich mir beim Länderspiel gegen Finnland bei einem Zusammenstoss mit dem Goalie gar die Nase gebrochen. Und doch gehe ich wieder engagiert in jedes Kopfballduell.

Wir wollten eigentlich eine andere Szene ansprechen: Erinnern Sie sich an Carlos Varela?

Minder: Stimmt, da war was (lacht).

Vor zehn Jahren provozierten Sie als Teambetreuer des FC Schaffhausen den damaligen YB-Spieler, bis er auf Sie losging und mit einer Roten Karte vom Feld geschickt wurde.

Minder: Ich habe meinen Beitrag zum damaligen 1:0-Sieg geleistet (lacht). Zum Glück ist die Sache mittlerweile verjährt.

Sind Sie beim FC Nationalrat auch so aufbrausend?

Minder: Meistens halte ich mich zurück. Laut wurde ich letztmals, als ich mein Unverständnis äusserte, dass bei uns auch Frauen mitspielen dürfen – trotzdem stellt Trainer Roger Hegi noch immer ab und zu eine Frau auf.

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Written by Dennis Bühler

10. Juni 2016 at 14:00

Gespenstisches für den Olympischen Geist

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Gespenstisches für den Olympischen GeistDie Schweiz hofiert hier ansässige internationale Sportverbände wie die Fifa und das Olympische Komitee seit jeher – und wirbt unter anderem mit tiefen Steuern. Kein Wunder: Denn mit dem katarischen Doha erwächst Lausanne, der Capitale Olympique, Konkurrenz.

Ein Hintergrundbericht anlässlich des Fifa-Kongresses in Zürich und der Verhaftung mehrerer mutmasslich korrupter Funktionäre, erschienen am 29. Mai 2015 in der Südostschweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung.

Auf den Tag genau sieben Wochen ist es her, als sich Ueli Maurer und Thomas Bach in Lausanne in einem Hundertmeterlauf massen. Wer gewonnen hat, ist nicht überliefert und ohnehin eine Neben­sache, sahen und sehen sich doch beide als Sieger. Der Sportminister ist glücklich, mit der Schweiz Gastgeber dutzender internationaler Sportverbände sein zu dürfen, und der Präsident des Olympischen Komitees (IOC) freut sich, in der Westschweiz beste Bedingungen vorzufinden.

Seit genau 100 Jahren ist Lausanne la Capitale Olympique. Und das soll noch lange so bleiben. Für 200 Millionen Franken baut das IOC sein Hauptquartier demnächst zum Olympic Campus aus. 600 Angestellte sollen in nächster Nähe des historischen Château de Vidy arbeiten, jenem Schlösschen, in dem die IOC-Präsidenten seit 1968 residieren. Bis 2083 stellt Lausanne das Château und die umliegenden Grundstücke gratis zur Verfügung, denn die Schweiz erhält als Hort der internationalen Sportverbände gewichtige Konkurrenz: Der Emir von Katar baut in Doha eine zweite Sportweltstadt und wirbt mit dem Slogan «Inspiring Qatar: The new global sports capital».

68 internationale Sportorganisationen haben ihren Sitz in der Schweiz, seit die Internationale Triathlon-Union Anfang 2014 von Vancouver nach Lausanne zog. Und die Stadt am Lac Léman will noch mehr: «Bring your organisation home», wirbt sie auf der Website olympiccapital.ch. Im Fernduell mit Doha will man sich nicht verstecken.

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Written by Dennis Bühler

29. Mai 2015 at 11:00

«Das System ist todkrank – und wird es mit Blatter bleiben»

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Foto Interview WeinreichAm 27. Mai 2015 wird die Fussballwelt in ihren Grundfesten erschüttert: Hochrangige Fifa-Funktionäre werden in Zürich verhaftet. Experte Jens Weinreich ordnet die Vorgänge ein – und lässt kein gutes Haar am Weltfussballverband und dessen Präsident Sepp Blatter.

Ein Interview, geführt gemeinsam mit Rinaldo Tibolla und erschienen am 28. Mai 2015 in der Südostschweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung.

Er sei von den Vorgängen um die Fifa genauso überrascht worden wie alle anderen, sagt Jens Weinreich im Interview mit der «Südostschweiz». Das verwundert, gilt der 50-jährige Journalist und Buchautor doch als einer der profundesten Kenner der internationalen Sportpolitik. Die Verblüffung Weinreichs hat vor allem einen Grund, wie er sagt: Er hatte die Hoffnung bereits aufgegeben, jemals einen solchen Tag erleben zu dürfen.

Jens Weinreich, die Fussballwelt wurde heute Morgen in ihren Grundfesten erschüttert. Wie überrascht waren Sie?

Jens Weinreich: Wer behauptet, er sei nicht überrascht worden, sagt nicht die Wahrheit. Ich bin heute oft gefragt worden, ob ich von einem solchen Tag geträumt habe. Ehrlich gesagt: Ich hatte die Hoffnung bereits aufgegeben. Und ich hätte nie damit gerechnet, ausgerechnet in Zürich Zeuge solcher Vorgänge zu werden. Denn die Schweizer Justiz­behörden sind ja nicht gerade dafür bekannt, im Sinne der Aufklärung zu arbeiten.

Nun aber ist ausgerechnet die Schweiz aktiv geworden.

Internationale Sportverbände haben sich in der Schweiz immer pudelwohl gefühlt. Gegen die Fifa gerichtete parlamentarische Vorstösse wurden stets hochkant abgelehnt, der Bundesrat hofiert die Verbände seit Jahrzehnten. Der heutige Tag aber verändert vieles. Er hat bei der Fifa, aber auch beim Olympischen Komitee und vielen anderen hier ansässigen internationalen Sportver­bänden Schockwellen und Angst ausgelöst.

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Written by Dennis Bühler

28. Mai 2015 at 10:15

Veröffentlicht in Aargauer Zeitung, Die Südostschweiz

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König Sepps grösster Fan

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König Sepps grösster Fan ScreenshotDer Aargauer SVP-Nationalrat Maximilian Reimann bekennt sich zu Fifa- ­­Präsident Blatter. Eine kommentierende Glosse, erschienen am 6. Mai 2015 in der Südostschweiz.

Die Stimme kommt aus dem Off. «Paradiesische Zustände für dubiose Machenschaften: Die Anti-Korruptions-Gesetze in der Schweiz sind lasch, die Fifa und andere Sportverbände von Steuern befreit», sagt der Sprecher des ARD-Dokumentarfilms über den Weltfussballverband und dessen Präsidenten Sepp Blatter. «Der rechtskonservative Parlamen­tarier Maximilian Reimann hält seit Jahrzehnten schützend die Hand über die Fifa, der er sich eng verbunden fühlt. Sie gehöre zur Schweiz wie die Alpen, sagt er, mit Sepp Blatter ver­binde ihn so etwas wie eine Freundschaft.» Kurzum: «Man mag sich.»

Dann erscheint Reimann im Bild, sitzend in der Wandelhalle des Bundeshauses. Was folgt, ist ein Bekenntnis voller Verständnis und Zuneigung. «Wenn sich einer mit 79 Jahren noch einmal getraut, für vier weitere Jahre Fifa-Präsident zu sein, dann Hut ab vor diesem Mann. Dann ist er geistig wie physisch absolut top. Hut ab vor einem Typen wie Sepp Blatter, der in diesem Alter wie Adenauer oder Roland Reagan oder Napolitano aus Italien noch an der Spitze einer so wichtigen Institution steht.»

Reimann ist nicht der einzige Blatter-Bewunderer, der im am Montagabend ausgestrahlten, auf Youtube verfüg­baren ARD-Film «Der verkaufte Fussball» auftritt. So bezeichnet ihn etwa Osiris Guzman – von der Fifa einst wegen Korruption suspendierter ­Präsident des dominikanischen Fussballverbandes – als Visionär und stellt ihn in eine Reihe mit Winston Churchill, Nelson Mandela, Abraham Lincoln, dem Papst und Mutter Theresa.

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Written by Dennis Bühler

6. Mai 2015 at 14:01

Veröffentlicht in Die Südostschweiz

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«Only good for Chocolate»: WM mit Ruefer, Federer und Rickli

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WM-Kolumne93. Minute, Schweiz gegen Ecuador, Tor Haris Seferovic – die Fussball-Nationalmannschaft hat ihren Kopf im Startspiel der Weltmeisterschaft in letzter Minute noch aus der Schlinge gezogen. Trotzdem: Hat das Team von Ottmar Hitzfeld in Brasilien eine Chance? Oder ist es «only good for Chocolate»?

Eine WM-Kolumne, erschienen am 16. Juni 2014 in der Südostschweiz.

Das Spiel hat gestern Abend kaum begonnen, als sich mein Verständnis für Sascha Ruefer bereits erschöpft hat. Der SRF-Kommentator spricht von «Burschen» und auch sonst zu viel, Grund genug, den Ton auf stumm zu schalten und auf Twitter zu vertrauen. Dort allerdings, merke ich rasch, neigt man ebenso zur Übertreibung. «Shaqiri is a pure beast!! #monster», schreibt Twitter-User Northern Gunner, dabei hat unser Kraftwürfel in der 16. Minute doch nur einen ersten, völlig harmlosen Schuss abgegeben. Roger Federer braucht nicht bedauert zu werden. «Got doubles finals now with my partner @mchiudinelli33. During the swiss soccer game!!», hat der Tennisstar getwittert. Er verpasst wenig.

«Switzerland is only good for chocolate», stellt Sultan Purewal auf Twitter fest, nachdem Ecuador das 1:0 erzielt hat. Und das deutsche Fanmagazin «11 Freunde» tickert: «Die Schweizer wirken etwas unbeteiligt. Fast schon neutral.» Bei Twitter ist man sich einig, dass dies die schwächste aller bisherigen WM-Partien ist.

Vergessen wird zu diesem Zeitpunkt, was ich als Anhänger des FC Zürich schon seit dem 13. Mai 2006 weiss: Die wichtigste Spielminute einer Fussballpartie ist und bleibt die 93. Minute. Und tatsächlich: Valon Behrami kämpft wie damals Alain Nef, die Flanke von Ricardo Rodriguez ist so präzis wie jene von Florian Stahel, Haris Seferovic so kaltblütig wie Iulian Filipescu. Das Tor bringt der Schweiz nur zwei zusätzliche Punkte, noch nicht den Titel. Aber der Start ist geglückt. «Sooo geil!!!!», twittert nun sogar Natalie Rickli. Auch die SVP-Nationalrätin freut sich über die Kombination zum Tor. Sie hat über den Kosovo, Chile/Spanien und Bosnien geführt.

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Written by Dennis Bühler

16. Juni 2014 at 12:00

Veröffentlicht in Die Südostschweiz

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Auf der Höhe des Triumphs verliert er sein Lebenswerk

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HoenessEr war erfolgreich wie kein Zweiter, er galt als unfehlbar und als moralische Instanz: Heute dürfte Uli Hoeness, der Präsident des FC Bayern, wegen Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe verurteilt werden. Sein Absturz ist kolossal.

Die Analyse eines Absturzes, erschienen am 13. März 2014 in der Südostschweiz.

Es gibt einige Fussball manager, die zwar Erfolg, nicht aber die beste Reputation haben. Es gibt umstrittene Personen wie den Walliser Christian Constantin, Präsident des FC Sion, oder den Zürcher Erich Vogel, ehemaliger Manager der Zürcher Grasshoppers und des FC Basel. Es gibt aber auch Uli Hoeness, der jahrzehntelang als unfehlbar galt.

Zum einen, weil er so erfolgreich war wie kein anderer. Zum anderen, und das ist im Lichte seines gewaltigen Absturzes fast noch wichtiger, war Hoeness nicht bloss Manager, sondern immer auch Mensch. Ein Mensch, der seine Spieler nicht fallen liess, wenn sie persönliche Probleme hatten oder mit dem Gesetz in Konflikt gerieten, und sie stattdessen gegen alle Unbill der feindlichen Welt verteidigte. Ein Mensch, der mehrere Millionen Euro für gute Zwecke spendete und den maroden Kultverein FC St. Pauli vor dem Konkurs rettete, indem er seine Mannschaft zu einem Benefizspiel antreten liess. Ein Mensch, der sich als moralische Instanz inszenierte und auch öffentlich stets dezidiert Position bezog, auch wenn er sich damit vorübergehend unbeliebt machte.

Es ging immer bergauf mit Uli Hoeness; nun verliert er auf der Höhe des Triumphs, in einem Moment, in dem die Bayern besser spielen als je zuvor, sein Lebenswerk.

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Written by Dennis Bühler

13. März 2014 at 14:59

Veröffentlicht in Die Südostschweiz

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