Politische Überzeugungstäter im Auftrag des Herrn
Alle reden vom Koran; der Männedörfler EDU-Kantonsrat Heinz Kyburz und seine Oetwiler Parteikollegin Rebekka Burgassi aber politisieren mit der Bibel in der Hand – mal ultrarechts, dann wieder links.
Porträts zweier Politiker der Extreme, erschienen am 09. Juni 2010 im Tages-Anzeiger.
Im Sommer 2008 verlieh die «Schweizer Illustrierte» Heinz Kyburz einen Kaktus. Mit der stachligen Pflanze geisselte die Zeitschrift den Feldzug, den der 49-Jährige gegen Homosexualität führte. Das Schwulen- und Lesbenfestival, das damals in Meilen stattfand, versuchte Kyburz um jeden Preis zu verhindern – weil es suggerierte, Homosexualität sei etwas Normales. Über den Kaktus freute sich Kyburz, bei den Absendern bedankte er sich. Er habe die Pflanze als Symbol für Widerstandsfähigkeit in einer zunehmend hitzigeren Zeit aufgefasst.
Mittwochs sind sie nur eine Nummer
Die TV-Show «Deal or No Deal» ist dank ihnen ein Hingucker: Junge Frauen, die sich für die Rolle des dekorativen Moneygirls nicht zu schade sind. Zwei Küsnachterinnen über ihren gut bezahlten Nebenjob.
Ein anklagendes Porträt, erschienen am 31. März 2010 im Tages-Anzeiger.
Auf hochhackigen Schuhen und in weinrote Kleider gehüllt, betreten Simona Triet und Nesma El Khayat das Rund des Fernsehstudios, kleine goldene Koffer in den Armen. Auf einem Podium ausgestellt, warten die beiden jungen Küsnachterinnen mit 24 anderen sogenannten Moneygirls auf Roman Kilchsperger, Moderator der Show «Deal or No Deal». Auf jenen Mann also, der über sie sagt: «Ein Moneygirl muss einen geraden Rücken haben, fünf Finger an jeder Hand und einen Koffer tragen können.» Oder auch: «Man muss nicht viel können, nur nett lächeln.»
Champions League als Arbeitsplatz
Der Zolliker Giovanni Marti, Kommunikationschef des FC Zürich, war am Tag des Champions-League-Spiels gegen Milan während 15 Stunden auf Trab. Er musste sich sogar um heisse Suppe kümmern.
Eine sportliche Reportage, erschienen am 10. Dezember 2009 im Tages-Anzeiger.
Für Giovanni Marti beginnt der letzte Champions-League-Tag des FC Zürich morgens um 10 Uhr. Der Kommunikationschef des Schweizer Meisters trifft sich zu einer letzten Besprechung mit den Stadionverantwortlichen, der Polizei, der Uefa und dem Vermarkter. Alles ist für eine weitere Nacht der Sterne bereit, unliebsame Überraschungen gibt es keine mehr: Beim dritten Heimspiel spielt die Routine. Nach einem kurzen Kontrollgang durch die Katakomben des Letzigrunds steht für Marti das erste Highlight des Tages auf dem Programm: Mit den Delegationen der AC Mailand und des FCZ trifft er sich im Niederdorf zum Käsefondue.
An den Challandes gescheitert
Vor anderthalb Jahren stand Jovo Spasojevic als Captain der U-21 des FC Zürich kurz vor dem Durchbruch. Nun spielt der Verteidiger in der 2. Liga bei Oerlikon/Polizei.
Ein anklagendes Porträt, erschienen am 21. Oktober 2009 im Tages-Anzeiger.
Wenn der FC Zürich heute Abend in der Champions League Olympique Marseille empfängt, wird Jovo Spasojevic im Letzigrund auf der Tribüne sitzen und seinen ehemaligen Vereinskollegen die Daumen drücken. «Ich bin nach wie vor Fan des FCZ und fiebere mit», sagt der 22-Jährige, der von Almen Abdi Tickets erhalten hat. Mehr als zehn Jahre trug Spasojevic vom Zollikerberg selbst das Trikot des Stadtklubs. Als D-Junior zum Verein gestossen, spielte er von 2005 bis 2008 für die U-21 in der 1. Liga, im letzten Jahr war der polyvalent einsetzbare Aussenverteidiger auch Captain. Kurz vor dem Durchbruch und der Aufnahme in die erste Mannschaft aber scheiterte das Talent mit Schweizer Pass und serbischen Wurzeln. «Plötzlich wurde ich vom FCZ fallengelassen», sagt Spasojevic. «Eine wirkliche Chance habe ich nie erhalten.»


