Dennis Bühler – Journalist

Recherchen, Reportagen, Portraits, Interviews und Analysen zu Politik, Medien, Gesellschaft und Sport

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Die SDA streikt – Chefs blei­ben kom­pro­miss­los

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Die Mit­ar­bei­ter der Nach­rich­ten­agen­tur SDA sind in ei­nen un­be­fri­ste­ten Streik ge­tre­ten. Ih­re Chefs rea­gie­ren wü­tend – und wollen sich bald zu einer Krisensitzung treffen.

Ein Streikbericht, erschienen am 31. Januar 2018 in der Südostschweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung.

Der Zufall will es, dass der Demonstrationszug der SDA-Journalistinnen und -Journalisten gestern Mittag in der Stadt Bern auf Bundesrat Ueli Maurer trifft. «Helfen Sie uns», fordert ihn ein Mitarbeiter der Schweizerischen Depeschenagentur auf. Der SVP-Finanzminister aber hat kein Gehör für die Sorgen der Angestellten, die sich gegen den Abbau von mehr als einem Viertel ihrer Arbeitsplätze wehren. «Sie helfen uns ja auch nie», sagt er, verweigert die Entgegennahme eines Flugblattes und schreitet davon.

Einige Stunden bereits streikt die SDA-Belegschaft zu diesem Zeitpunkt. Und sie wird dies auch heute tun. «Wir stossen bei der Geschäftsleitung auf taube Ohren», sagt Redaktionssprecher Sebastian Gänger. «Unser Vertrauen in CEO Markus Schwab ist zerstört. Wir streiken, bis der Verwaltungsrat ernsthafte Verhandlungen mit uns beginnt.» Die Redaktion stört sich nicht nur am Personalabbau, sondern vor allem auch an der Art und Weise, wie die Kündigungen vollzogen werden – innert weniger Tage, ohne Erklärung, mit gehörigem Druck auf jeden einzelnen.

(…)

Spätestens mit Streikbeginn ist die Krise ganz oben im Unternehmen angekommen. Verwaltungsratspräsident Hans Heinrich Coninx verweigerte gestern jede Stellungnahme. Sein Vize Hanspeter Lebrument, der auch Verleger der «Südostschweiz» ist, bestätigte immerhin, dass sich der Verwaltungsrat noch diese Woche zu einer ausserordentlichen Sitzung treffen wolle. Auch in diesem Gremium rumort es: Mit Sandra Jean hat die einzige Journalistin im Verwaltungsrat am Freitag aus Solidarität mit der Belegschaft ihren Rücktritt erklärt. Darüber hinaus wollte sich Lebrument bloss als Verleger und damit als SDA-Kunde äussern: «In einem fairen Arbeitskampf kündigt man Streikmassnahmen ein paar Tage im Voraus an, damit sich die Gegenseite vorbereiten kann», sagte er. «Dass die Mitarbeiter dies unterlassen haben, ist skandalös.»

Im Bundesrat ist mehr Verständnis für die Streikenden vorhanden als bei den Verlegern. «Es gehört zur Schweiz, dass Arbeiter sich wehren können», sagte Medienministerin Doris Leuthard dem Onlineportal «nau.ch». Gemäss Recherchen der «Südostschweiz» macht Bundespräsident Alain Berset die SDA heute auch bei der Bundesratssitzung zum Thema.

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Written by Dennis Bühler

31. Januar 2018 at 10:40

Alle Parteien kritisieren die SDA-Spitze

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Nach dem Streik der Belegschaft gerät die Führung der Nachrichtenagentur unter öffentlichen Beschuss. Kann sich ihr CEO im Amt halten?

Ein Bericht über die Vorgänge bei der Schweizerischen Depeschenagentur, erschienen am 26. Januar 2018 in der Südostschweiz sowie der Aargauer Zeitung / Nordwestschweiz.

Journalistinnen und Journalisten der Schweizerischen Depeschenagentur, die streiken: Nie in der 123-jährigen Unternehmensgeschichte hatte es so etwas gegeben – bis die 180 Mitarbeiter am vergangenen Dienstag ihre Arbeit niederlegten und so gegen den von der Geschäftsleitung beschlossenen massiven Personalabbau protestierten. Noch im Januar sollen 40 der 150 Vollzeitstellen abgebaut werden, mit Kündigungen, Frühpensionierungen und Pensenreduktionen. Etwas zu sagen haben die SDA-Angestellten nicht: Redaktorinnen und Redaktoren, die nicht innert weniger Tage einwilligen, werden entlassen.

Für ihr unzimperliches Vorgehen werden die Entscheidungsträger der einzigen vollwertigen Schweizer Nachrichtenagentur von Politikern aller Parteien harsch kritisiert. «Was der Verwaltungsrat und die operative ‹Führung› derzeit liefern, ist unter jeder Kanone», schrieb CVP-Chef Gerhard Pfister auf Twitter. «Der CEO verdient sich eine goldene Nase auf dem Buckel des Journalismus.» Auf Anfrage ergänzt Pfister, er halte die hohen Löhne, die die SDA-Manager selbst auf dem Höhepunkt der Krise ihres Unternehmens einstreichen würden, für unverschämt. «Sie ziehen die Sanierung innert weniger Tage und gegenüber ihren Mitarbeitern total kompromisslos durch. Damit handeln sie unternehmerisch unverantwortlich.»

Auch die Zürcher SVP-Nationalrätin Natalie Rickli sagt, die SDA-Führung habe «offensichtlich versagt» und sei für das momentan herrschende Chaos verantwortlich. «Sie hat nicht vorausschauend geplant und schlecht kommuniziert.» Um Ruhe in die Diskussion zu bringen, müsse sie Transparenz schaffen – «bis hin zur Offenlegung der Cheflöhne». Von Gewerkschaftern wird der Lohn von CEO Markus Schwab auf rund 450’000 Franken pro Jahr und damit auf Bundesratsniveau geschätzt. Er selbst sagte in der Vergangenheit bloss, sein Lohn sei «marktkonform».

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Die Vorgänge bei der SDA haben gemäss Recherchen der «Nordwestschweiz» eine erste Konsequenz: Die Eidgenössische Medienkommission empfiehlt nun, die Nachrichtenagentur in der neuen Verordnung über das Radio- und TV-Gesetz nicht wie geplant explizit als «förderungswürdig» zu nennen. Noch am Dienstag hatte sich SDA-CEO Schwab zuversichtlich gezeigt: «Die Unterstützung des Bundes im Umfang von zwei Millionen Franken ab 2019 erfolgt zweckgebunden für die Erfüllung eines Leistungsauftrags», sagte er. «Sie ist fest eingeplant und sollte wegen der Umstrukturierung nicht in Gefahr sein.» Allzu sicher sollte er sich jetzt nicht mehr sein.

Antanzen muss die SDA-Spitze demnächst bei der zuständigen Kommission des Nationalrats. Dies bestätigt deren Präsidentin Edith Graf-Litscher auf Anfrage. «Ich habe die Geschäftsleitung zu einer Anhörung am 13. Februar eingeladen», sagt die Thurgauer Sozialdemokratin.

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Written by Dennis Bühler

26. Januar 2018 at 08:50

Agen­tur-Jour­na­lis­ten ge­hen auf die Stras­se

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Die Re­dak­ti­on der Schwei­ze­ri­schen De­pe­sche­na­gen­tur soll mar­kant schrump­fen. Die Jour­na­lis­ten weh­ren sich ge­gen ih­ren CEO – und auch der Bund macht Druck.

Ein Hintergrundartikel, erschienen am 24. Januar 2018 in der Südostschweiz sowie der Aargauer Zeitung / Nordwestschweiz.

So gut wie nie stehen sie im Mittelpunkt: Die meisten Journalistinnen und Journalisten der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) kennt man nicht einmal innerhalb des Medienzirkus, da sie ihre Artikel – frei jeder Eitelkeit – lediglich mit ihrem Kürzel zeichnen. Gestern Nachmittag legen sie auf einmal die Arbeit nieder und ziehen mit Transparenten und Trillerpfeifen durch die Stadt Bern. Sie streiken.

Gemeinsam mit Gewerkschaftern, linken Politikern und Kunstschaffenden wie Schriftsteller Alex Capus und Musiker Büne Huber warnen sie vor dem grössten Abbau in der Geschichte des Unternehmens, das seit 1895 Garant ist für die journalistische Grundversorgung aller Landesteile. Nahezu jede Zeitung – auch die «Südostschweiz» – druckt ihre Nachrichten ab, jedes Onlineportal ist auf ihren steten Newsfluss angewiesen. Im vergangenen Jahr haben die rund 180 SDA-Redaktoren fast 200 000 Meldungen verfasst.

Nun sollen 40 der 150 Vollzeitstellen abgebaut werden. So hat es SDA-Chef Markus Schwab entschieden. Schnell soll es gehen, rasend schnell: Noch diese Woche wird jeder Mitarbeiter zum Gespräch aufgeboten, in dem ihm mitgeteilt wird, ob er entlassen oder frühpensioniert wird, ob er das Pensum zu reduzieren hat oder in unveränderter Anstellung weiterarbeiten darf. Entscheidend sind vier Kriterien: Alter, Marktfähigkeit, familiäre Situation und Leistung. Pro Gespräch hat Schwab gerade mal zehn Minuten eingeplant.

Wenige Stunden vor dem unangekündigten Streik empfängt der SDA-CEO die «Südostschweiz» gestern Vormittag in seinem Büro in der Berner Länggasse. Der 55-Jährige wirkt freundlich und gelassen. Warum er sein Unternehmen mit harter Hand führt, erklärt er mit Zahlen: «Schon im Jahr 2017 machte die SDA einen Verlust von rund einer Million Franken. Im laufenden Jahr verzeichnen wir nun einen Einnahmenverlust von weiteren 3,1 Millionen Franken.»

Zum einen, weil einige Verlage Teile des SDA-Angebots aus Spargründen nicht weiter abonniert hätten. Etwa die Hälfte des für 2018 zusätzlich budgetierten Verlustes rühre aber daher, dass «wir unseren Kunden einen Rabatt von zehn Prozent gewährt haben». Gemäss Recherchen der «Südostschweiz» reisst allein dieser Rabatt ein Loch von zwei Millionen Franken in die SDA-Kasse.

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Written by Dennis Bühler

24. Januar 2018 at 08:25