Dennis Bühler – Journalist

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Zehn Gebote zur Wahl in den Bundesrat

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Wie Martin Schmid doch noch Bundesrat wird. Wir zeigen, welchen Fallstricken der Bündner FDP-Ständerat aus dem Weg gehen muss.

Eine Gebrauchsanweisung, geschrieben gemeinsam mit Gion-Mattias Durband und erschienen am 16. Juni 2017 in der Südostschweiz.

1.) In Deckung bleiben. Bei der Ausmarchung möglicher Bundesratskandidaten verhält es sich wie mit dem dramatischen Finale in Wild-West-Filmen: Wer sich als Erster bewegt, liegt am Ende mit grosser Wahrscheinlichkeit am Boden. Eine Regel, die Martin Schmid offenbar verinnerlicht hat. Geschickt hat sich der Ständerat mit Verweis auf den Vorrang der lateinischen Schweiz frühzeitig aus der Schusslinie genommen. Ob sich der richtige Moment doch noch bei dieser Ersatzwahl einstellen wird oder ob er am besten gleich Johann Schneider-Ammans Platz ins Auge fassen soll, bleibt offen.

2.) Staatspolitische Grösse zeigen. Die angemessene Vertretung der lateinischen Schweiz liegt Schmid am Herzen – sagt er selbst (siehe Interview / PDF). Mit seinem Verzicht bei der aktuellen Wahl erbringt er den Tatbeweis und sammelt Punkte für die nächste Runde: Gerade Frauen und Vertreter der lateinischen Schweiz dürften sich dankbar zeigen.

(…)

5.) Bescheiden auftreten. Ausserhalb Graubündens ist Schmid in der Öffentlichkeit noch nicht allzu bekannt – gut so. Als Bergler wird er mit einem Sympathiebonus starten können: Mit bescheidenem Auftreten vergrössert er diesen Vorsprung noch.

6.) Im Berufsleben zurückhalten. Ein Gebot, das Anwalt Schmid besonders beherzigen muss. «Ich arbeite mehr in der Realität als im Bundeshaus», sagt er. Als Ständerat setzt er sich für eine lockere Handhabung der Zweitwohnungsinitiative ein – von der auch Klienten seiner Anwaltskanzlei profitierten. Es gehe darum, Fehlentwicklungen zu korrigieren, wo sie die Entwicklung im Berggebiet verhinderten, sagt Schmid. Doch Obacht: Der Verdacht, Partikularinteressen zu bedienen, könnte bundesrätlichen Aspirationen im Wege stehen.

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Written by Dennis Bühler

16. Juni 2017 at 14:08

Veröffentlicht in Die Südostschweiz

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Nach Wahlerfolg im Aargau: Wird Wermuth bald SP-Chef?

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bildschirmfoto-2016-10-25-um-11-13-47Als Co-Präsident machte Cédric Wermuth die Aargauer Sozialdemokraten zu Wahlsiegern. Spätestens jetzt wird ihm auch auf nationaler Ebene viel zugetraut: Schon 2018 könnte er Parteichef Christian Levrat ablösen.

Eine Nachwahlberichterstattung, erschienen am 25. Oktober 2016 in der Südostschweiz und der Aargauer Zeitung / Nordwestschweiz.

Er zündete sich an der Parteiversammlung vor laufender Kamera einen Joint an, er besetzte ein leer stehendes Badener Hotel und liess ein Plakat anfertigen, auf dem Bundesrätin Doris Leuthard mit blutverschmierten Händen zu sehen war: Jahrelang liess Cédric Wermuth keine Provokation aus. Als Juso-Präsident war ihm jedes Mittel recht – Hauptsache, er und seine Mitstreiter standen in den Schlagzeilen. Mit dieser Strategie machte er die Juso zur erfolgreichsten Jungpartei und schaffte selbst den schnellen Aufstieg: 2011 wurde der Politologiestudent in den Nationalrat gewählt, 2014 zusammen mit Grossrätin Elisabeth Burgener zum Präsidenten der SP Aargau.

Mit der Kantonalpartei feierte der inzwischen 30-jährige Wermuth am Sonntag den grössten Triumph seiner bisherigen Politkarriere: In allen elf Aargauer Bezirken vermochte seine SP zuzulegen, letztlich reichte es ihr für fünf zusätzliche Sitze im Grossen Rat. Auch wenn Wermuth den Sieg leiser zelebrierte, als er es noch vor wenigen Jahren getan hätte («Seit ich Vater bin, bin ich ruhiger»): Noch immer hilft das Juso-Prinzip – Angriff! – seinen Erfolg zu erklären. «Die SP Aargau trat früher bisweilen sehr brav und konziliant auf», sagt er. «Wir haben versucht, viel klarer zu kommunizieren, mit einer einfacheren, zugespitzteren Sprache. Und wir scheuen nicht länger davor zurück, politische Gegner frontal zu attackieren.»

(…)

Die nationalen Parteigrössen sind des Lobes voll für Wermuth: «Die SP hat einen sackstarken Wahlkampf geführt», adelt ihn Präsident Christian Levrat auf «blick.ch». Und zur «Südostschweiz» sagt Fraktionschef Roger Nordmann: «Wermuth hat die Fähigkeit, stets Klartext zu sprechen. Das sollten wir auch auf Bundesebene stärker beherzigen.»

Steht der Aargauer Senkrechtstarter also bald vor noch höheren Weihen? Die Chancen stehen ausgezeichnet. Schon vor einem Jahr überlegte sich Levrat lange, ob er die SP wirklich in eine neue Legislatur führen möchte – schliesslich steht er ihr bereits seit 2008 vor. Spätestens nach den Wahlen 2019 wird der Freiburger Ständerat das Parteipräsidium abgeben, glauben Politbeobachter und SP-Kollegen. Hinter vorgehaltener Hand erzählen Letztere aber auch von einem erstaunlichen Plan: Entgegen der landläufigen Überzeugung, ein Kapitän dürfe sein Schiff auf stürmischer See keinesfalls verlassen, liebäugle man im Parteipräsidium mit einem Chefwechsel ausgerechnet während der heissen Wahlkampfphase: Quasi als Marketing-Gag – um schweizweite Schlagzeilen zu generieren – könnte Levrat seinen Platz Ende 2018 oder Anfang 2019 räumen.

Ein ausgefuchster Plan, der aus der Juso-Ecke stammen könnte – Wermuth aber schweigt dazu auf Anfrage eisern. Nordmann zumindest würde ihm das höchste SP-Amt zutrauen. «Cédric ist strategisch gewieft, blitzgescheit und integer», sagt der Waadtländer Nationalrat. «Und er verfügt über eine gewisse Selbstironie, was in der Politik selten – aber umso wertvoller – ist.»

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Written by Dennis Bühler

25. Oktober 2016 at 10:00