Dennis Bühler – Journalist

Reportagen, Portraits, Interviews und Analysen aus Politik, Medien, Gesellschaft und Sport

Agen­tur-Jour­na­lis­ten ge­hen auf die Stras­se

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Die Re­dak­ti­on der Schwei­ze­ri­schen De­pe­sche­na­gen­tur soll mar­kant schrump­fen. Die Jour­na­lis­ten weh­ren sich ge­gen ih­ren CEO – und auch der Bund macht Druck.

Ein Hintergrundartikel, erschienen am 24. Januar 2018 in der Südostschweiz sowie der Aargauer Zeitung / Nordwestschweiz.

So gut wie nie stehen sie im Mittelpunkt: Die meisten Journalistinnen und Journalisten der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) kennt man nicht einmal innerhalb des Medienzirkus, da sie ihre Artikel – frei jeder Eitelkeit – lediglich mit ihrem Kürzel zeichnen. Gestern Nachmittag legen sie auf einmal die Arbeit nieder und ziehen mit Transparenten und Trillerpfeifen durch die Stadt Bern. Sie streiken.

Gemeinsam mit Gewerkschaftern, linken Politikern und Kunstschaffenden wie Schriftsteller Alex Capus und Musiker Büne Huber warnen sie vor dem grössten Abbau in der Geschichte des Unternehmens, das seit 1895 Garant ist für die journalistische Grundversorgung aller Landesteile. Nahezu jede Zeitung – auch die «Südostschweiz» – druckt ihre Nachrichten ab, jedes Onlineportal ist auf ihren steten Newsfluss angewiesen. Im vergangenen Jahr haben die rund 180 SDA-Redaktoren fast 200 000 Meldungen verfasst.

Nun sollen 40 der 150 Vollzeitstellen abgebaut werden. So hat es SDA-Chef Markus Schwab entschieden. Schnell soll es gehen, rasend schnell: Noch diese Woche wird jeder Mitarbeiter zum Gespräch aufgeboten, in dem ihm mitgeteilt wird, ob er entlassen oder frühpensioniert wird, ob er das Pensum zu reduzieren hat oder in unveränderter Anstellung weiterarbeiten darf. Entscheidend sind vier Kriterien: Alter, Marktfähigkeit, familiäre Situation und Leistung. Pro Gespräch hat Schwab gerade mal zehn Minuten eingeplant.

Wenige Stunden vor dem unangekündigten Streik empfängt der SDA-CEO die «Südostschweiz» gestern Vormittag in seinem Büro in der Berner Länggasse. Der 55-Jährige wirkt freundlich und gelassen. Warum er sein Unternehmen mit harter Hand führt, erklärt er mit Zahlen: «Schon im Jahr 2017 machte die SDA einen Verlust von rund einer Million Franken. Im laufenden Jahr verzeichnen wir nun einen Einnahmenverlust von weiteren 3,1 Millionen Franken.»

Zum einen, weil einige Verlage Teile des SDA-Angebots aus Spargründen nicht weiter abonniert hätten. Etwa die Hälfte des für 2018 zusätzlich budgetierten Verlustes rühre aber daher, dass «wir unseren Kunden einen Rabatt von zehn Prozent gewährt haben». Gemäss Recherchen der «Südostschweiz» reisst allein dieser Rabatt ein Loch von zwei Millionen Franken in die SDA-Kasse.

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Written by Dennis Bühler

24. Januar 2018 um 08:25

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