Posts Tagged ‘Wirtschaft’
Es wird ungemütlich an der NZZ-Spitze
Die Wiederwahl Etienne Jornods zum Verwaltungsratspräsidenten der «Neuen Zürcher Zeitung» ist gefährdet. Um an der morgigen Generalversammlung das Wort gegen ihren Chef ergreifen zu können, haben Redaktoren sogar Aktien erworben. Ein Hintergrundbericht, erschienen am 10. April 2015 in der Südostschweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung.
Eine NZZ-Aktie zu erwerben, ist eine kostspielige Angelegenheit: 5700 Franken für ein einziges Wertpapier sind selbst für Redaktoren des Medienkonzerns, der nach wie vor überdurchschnittlich gut bezahlt, kein Pappenstiel. Und doch haben in den letzten Wochen mehrere Schreiber der NZZ Aktien gekauft. Nur so dürfen sie an der Generalversammlung von morgen Samstag das Wort ergreifen. Und mitentscheiden, ob mit Etienne Jornod weiterhin ein Mann an ihrer Spitze stehen soll, der sich in den letzten sechs Monaten keine guten Noten verdient hat.
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«In der Kommunikation sind sicher Fehler passiert», gibt Jornod gegenüber der »Südostschweiz» zu. «Wir haben die Emotionalität gewisser Themen unterschätzt. Das bedaure ich.» Mit seinem Leistungsausweis ist der 62-Jährige dennoch zufrieden: Objektiv betrachtet hätten der Verwaltungsrat und die Unternehmensleitung in den vergangenen zwei Jahren «gewaltige Anstrengungen» unternommen, um das Unternehmen an die Herausforderungen einer Medienwelt im Umbruch anzupassen, sagt er.
Auf der Höhe des Triumphs verliert er sein Lebenswerk
Er war erfolgreich wie kein Zweiter, er galt als unfehlbar und als moralische Instanz: Heute dürfte Uli Hoeness, der Präsident des FC Bayern, wegen Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe verurteilt werden. Sein Absturz ist kolossal.
Die Analyse eines Absturzes, erschienen am 13. März 2014 in der Südostschweiz.
Es gibt einige Fussball manager, die zwar Erfolg, nicht aber die beste Reputation haben. Es gibt umstrittene Personen wie den Walliser Christian Constantin, Präsident des FC Sion, oder den Zürcher Erich Vogel, ehemaliger Manager der Zürcher Grasshoppers und des FC Basel. Es gibt aber auch Uli Hoeness, der jahrzehntelang als unfehlbar galt.
Zum einen, weil er so erfolgreich war wie kein anderer. Zum anderen, und das ist im Lichte seines gewaltigen Absturzes fast noch wichtiger, war Hoeness nicht bloss Manager, sondern immer auch Mensch. Ein Mensch, der seine Spieler nicht fallen liess, wenn sie persönliche Probleme hatten oder mit dem Gesetz in Konflikt gerieten, und sie stattdessen gegen alle Unbill der feindlichen Welt verteidigte. Ein Mensch, der mehrere Millionen Euro für gute Zwecke spendete und den maroden Kultverein FC St. Pauli vor dem Konkurs rettete, indem er seine Mannschaft zu einem Benefizspiel antreten liess. Ein Mensch, der sich als moralische Instanz inszenierte und auch öffentlich stets dezidiert Position bezog, auch wenn er sich damit vorübergehend unbeliebt machte.
Es ging immer bergauf mit Uli Hoeness; nun verliert er auf der Höhe des Triumphs, in einem Moment, in dem die Bayern besser spielen als je zuvor, sein Lebenswerk.
Ein lebensbedrohliches Arbeitsumfeld
Muss Nestlé für einen Mord haften, der im Umfeld eines Tochterunternehmens passiert ist? Menschenrechtler wollen einen Musterprozess gegen den Multi führen.
Ein Hintergrundartikel, geschrieben gemeinsam mit Peer Teuwsen und erschienen am 7. März 2012 auf ZEIT online.
Es ist der 11. September 2005, ein Sonntag, als der Gewerkschafter Luciano Enrique Romero Molina am Rande der kolumbianischen Stadt Valledupar sein Leben lassen muss. Paramilitärs hatten ihn entführt, verhört, gefoltert und schließlich mit 50 Messerstichen getötet. Nun, mehr als sechs Jahre später, sollen Nestlé und fünf hohe Funktionäre des Konzerns für das Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden.
Prominente prominenter machen
Vom Geschäft mit Buchstaben zum Unterhaltungskonzern: Der Ringier Verlag berät Sportler, Models und Moderatoren, über die seine Blätter schreiben. Kritiker sehen die publizistische Freiheit gefährdet – und damit die Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche.
Die Analyse eines umstrittenen Geschäftsmodells, geschrieben im November und Dezember 2011 am maz – Die Schweizer Journalistenschule (unveröffentlicht).
In einem grossen, zweiseitigen Interview bot der SonntagsBlick Fabian Cancellara im April 2011 an prominentester Stelle – gleich in den ersten zwei Fragen – Gelegenheit, um für sein neu erschienenes Buch zu werben. „Journalistisch ist das absolut korrekt“, sagt Ringier-Kommunikationschef Edi Estermann. „Wir berichten regelmässig über Prominente, die ein neues Buch oder eine CD herausbringen. Das hat nichts mit Pool Position zu tun.“
Mirjam Jäger, eine auch bei Sportinteressierten nahezu unbekannte Freeskierin, erhielt im Blick im Dezember 2010 eine grosse Plattform. Titel der ganzseitigen Geschichte mit Bikini-Fotos: „Heisse Mirjam – Jägerin auf Goldpirsch.“ Untertitel: „Ihr Anblick bringt die eisigste Piste zum Schmelzen: Freeski-Schönheit Mirjam Jäger kann unser neues Golden-Girl werden.“ Eine Anmerkung, dass Jäger bei Pool Position und damit Ringier unter Vertrag steht, fehlte. „Korrekte Vorgehensweise“, sagt Estermann. Sollte im Sinne der Transparenz gegenüber den Lesern nicht auf das vertragliche Verhältnis hingewiesen werden? „Wenn es die Redaktion als notwendig erachtet, wird dies gemacht.“
