Dennis Bühler – Journalist

Recherchen, Reportagen, Portraits, Interviews und Analysen zu Politik, Medien, Gesellschaft und Sport

Archive for the ‘Die Südostschweiz’ Category

Das Schwarzpeter-Spiel im Fall Wavecom

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Schwarzpeterspiel im Fall WavecomAuf Fragen zur Spionagefirma Wavecom reagieren Verteidigungsminister Ueli Maurer und Geheimdienst-Chef Markus Seiler ungehalten. Unproblematisch aber sei die Firma nicht. Ein Besuch beim Kasernengespräch des VBS, geschrieben gemeinsam mit Stefan Schmid und erschienen am 5. Mai 2015 in der Südostschweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung.

Neue Entwicklung im Fall Wavecom: Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) hält die Spionagefirma in Bülach offenbar doch nicht für unproblematisch. Dies sagte NDB-Chef Markus Seiler gestern am Rande einer Informationsveranstaltung in Bern. «Wir haben nicht mit einem Wort gesagt, die Firma Wavecom sei unproblematisch», sagte ein sichtlich genervter Seiler. Der Geheimdienst-Chef verweist auf einen Bericht an die Bundesanwaltschaft. Darin habe der NDB der Firma keinen Persilschein ausgestellt und darauf hingewiesen, man solle die Sache anschauen.

Wavecom betreibt eine professionelle Abhöranlage. Damit können private Telefone, Fax und E-Mail abgefangen und ausgewertet werden. 2013 hat eine Privatperson gegen die Firma Anzeige erstattet – Verdacht auf unerlaubten Nachrichtendienst. Die Bundesanwaltschaft kam aber 2014, gestützt auf Abklärungen des NDB zum Schluss, die Sache sei harmlos und unproblematisch.

Der Fall wird mit den gestrigen Äusserungen von NDB-Chef Seiler undurchsichtiger. Die bisherigen Erkenntnisse legten den Schluss nahe, dass der NDB ein Interesse an der Firma habe. Er empfahl deshalb der Bundesanwaltschaft, die Sache ruhen zu lassen. Diese Version bestreitet der NDB nun vehement. Der Geheimdienst fühlt sich ungerechtfertigterweise an den Pranger gestellt. Details könnten allerdings nicht publik gemacht werden, weil es sich um einen vertraulichen Bericht zuhanden der Bundesanwaltschaft handle. Ein Vertreter des Verteidigungsdepartements formulierte es so: «Wir dürfen die Wahrheit nicht sagen. Wir würden uns strafbar machen.»

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Written by Dennis Bühler

5. Mai 2015 at 18:00

Veröffentlicht in Aargauer Zeitung, Die Südostschweiz

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Neuer Streit um Journalisten-GAV

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Neuer Streit um Journalisten-GAVMedienministerin Doris Leuthard fordert die Verleger auf, in den Verhandlungen um einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) mehr Gesprächsbereitschaft zu zeigen. Deren Präsident aber winkt ab. Ein Nachzug zum Interview mit Bundesrätin Leuthard, erschienen am 25. April 2015 in der Südostschweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung.

Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbandes Schweizer Medien und Verleger der auch die «Südostschweiz» herausgebenden Somedia, dämpft die neu gehegte Hoffnung der Gewerkschaften auf Anfrage postwendend wieder. Es störe ihn zwar keineswegs, wenn sich Medienministerin Leuthard für einen GAV ausspreche, sagt er. Schliesslich dürfe jede Schweizer Bürgerin ihre Meinung kundtun. «Doch ein branchenweiter GAV ist schlicht und einfach nicht sinnvoll.»

Zum einen unterschieden sich die verschiedenen Verlage hinsichtlich Grösse und finanziellen Voraussetzungen viel zu stark, sagt Lebrument. «Noch wichtiger aber ist: Wir haben keinerlei Anzeichen, dass den Journalisten überhaupt etwas an einem GAV liegt.» Während seiner bis anhin gut elfjährigen Präsidentschaft habe ihn nie ein Brief oder ein Telefonat eines Journalisten erreicht, in welchen die Bedeutung eines neuen Vertrags betont worden wäre.

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Written by Dennis Bühler

26. April 2015 at 17:00

Veröffentlicht in Aargauer Zeitung, Die Südostschweiz

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«Wer der SRG schaden möchte, muss dieser Vorlage zustimmen»

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Leuthard ScreenshotSie sei nicht der verlängerte Arm der SRG, sagt Medienministerin Doris Leuthard im Gespräch zur Abstimmung über das Radio- und Fernsehgesetz von Mitte Juni. Wer die Vorlage annehme, zementiere nicht die privilegierte Rolle des Schweizer Fernsehens, sondern weise lokalen Radio- und TV-Stationen mehr Geld zu.

Ein Interview über den Zustand der Branche, den fehlenden Gesamtarbeitsvertrag und die bevorstehende RTVG-Abstimmung, geführt mit Antonio Fumagalli und erschienen am 24. April 2015 in der Südostschweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung.

Frau Bundesrätin, Sie haben seit Jahrzehnten mit Journalisten zu tun. Sind wir besser oder schlechter geworden?

Die Qualität ist nicht schlechter geworden, viele Journalisten sind auch gut ausgebildet. Guter Journalismus bedingt allerdings genügend Zeit zur Recherche und Reflexion und grosse Fachkenntnis, Sie aber stehen unter grossem Zeit- und Kostendruck. Kein Wunder, schreiben sich die Journalisten manchmal gegenseitig ab – der Copy/Paste-Journalismus hat etwa am Sonntag auf Online-Kanälen eindeutig zugenommen. Die Medienhäuser müssen sich fragen, welches Qualitätsniveau sie wollen, weil letztlich die Glaubwürdigkeit ihrer Produkte auf dem Spiel steht.

Wie können die Arbeitsbedingungen der Journalisten verbessert werden?

Im Gegensatz zur Deutschschweiz, wo wir seit elf Jahren einen vertragslosen Zustand haben, existiert in der Romandie noch ein Gesamtarbeitsvertrag. Dieser wirkt sich spürbar positiv auf das Qualitätsniveau aus.

Setzt sich der Bund dafür ein, dass im Tessin und in der Deutschschweiz ein neuer GAV zustande kommt?

Gesamtarbeitsverträge sind Sache der Sozialpartner, der Bundesrat mischt sich weder bei den Metallarbeitern noch bei den Detailhändlern noch bei den Medienschaffenden ein. Aber ich würde mir sehr wünschen, dass sich die Verleger gesprächsbereiter zeigen und sich mit den Gewerkschaften einigen können.

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24. April 2015 at 16:30

Es wird ungemütlich an der NZZ-Spitze

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Artikel NZZDie Wiederwahl Etienne Jornods zum Verwaltungsratspräsidenten der «Neuen Zürcher Zeitung» ist gefährdet. Um an der morgigen Generalversammlung das Wort gegen ihren Chef ergreifen zu können, haben Redaktoren sogar Aktien erworben. Ein Hintergrundbericht, erschienen am 10. April 2015 in der Südostschweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung.

Eine NZZ-Aktie zu erwerben, ist eine kostspielige Angelegenheit: 5700 Franken für ein einziges Wertpapier sind selbst für Redaktoren des Medienkonzerns, der nach wie vor überdurchschnittlich gut bezahlt, kein Pappenstiel. Und doch haben in den letzten Wochen mehrere Schreiber der NZZ Aktien gekauft. Nur so dürfen sie an der Generalversammlung von morgen Samstag das Wort ergreifen. Und mitentscheiden, ob mit Etienne Jornod weiterhin ein Mann an ihrer Spitze stehen soll, der sich in den letzten sechs Monaten keine guten Noten verdient hat.

(…)

«In der Kommunikation sind sicher Fehler passiert», gibt Jornod gegenüber der »Südostschweiz» zu. «Wir haben die Emotionalität gewisser Themen unterschätzt. Das bedaure ich.» Mit seinem Leistungsausweis ist der 62-Jährige dennoch zufrieden: Objektiv betrachtet hätten der Verwaltungsrat und die Unternehmensleitung in den vergangenen zwei Jahren «gewaltige Anstrengungen» unternommen, um das Unternehmen an die Herausforderungen einer Medienwelt im Umbruch anzupassen, sagt er.

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10. April 2015 at 17:00

Sprüche und Weisheiten für eine Viertelmillion

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Samedin, Screenshot«Wir wollen doch bloss wieder Kinder sein, weil aufgeschlagene Knie viel schneller heilen als gebrochene Herzen» – mit kitschigen Lebensweisheiten wie dieser begeistert der St. Galler Samedin Selimovic Hunderttausende in den sozialen Medien. Ein Porträt des erfolgreichsten Instagramers der Schweiz, erschienen am 20. März 2015 in der Südostschweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung sowie am 21. März 2015 auf Watson.

In engen Kurven schlängelt sich der Bus den Berg empor, vorbei an  grünen Wiesen, schmucken Holzchalets und den Haltestellen Post, Hirschen, Seestern und Montana, unter sich ein Nebelmeer und den Walensee zurücklassend, über sich den Leistchamm, den Flügenspitz, den Mattstock und einen strahlend blauen Himmel. Hier also ist er zu Hause, der König der Likes, dem auf Instagram 278 000 Menschen folgen und auf Facebook 130 000. Als der Bus in die Haltebucht der Station Brugg einfährt, drücken drei Primarschüler ihre Nasen an die Scheibe: «Schaut, schaut, dort steht Samedin», rufen sie.

Hier, in der totalen Idylle, im sanktgallischen Amden auf 903 Meter über Meer, ist Samedin Selimovic bekannt, ein Star fast. So, wie er es online im ganzen deutschen Sprachraum ist. Ein Vorbild will er sein für die Jugend, und er hat genügend Selbstvertrauen, um zu sagen: «Das bin ich längst. Schliesslich habe ich mehr Follower als Xherdan Shaqiri.»

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Written by Dennis Bühler

20. März 2015 at 16:15

«Verrätst du mir den PIN-Code deines Bankkärtchens?»

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Weiterlesen (pdf)...Der Bündner Simon Gantenbein kämpft an vorderster Front gegen das neue Nachrichtendienstgesetz, über das der Nationalrat in der Frühjahrssession befindet. Ein Porträt, erschienen am 16. März 2015 in der Südost-schweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung.

Simon Gantenbein spricht beim Gespräch in einem Café in der Berner Innenstadt derart laut und bestimmt, dass sich irgendwann die beiden Rentner vom Nebentisch erheben und zur Mässigung aufrufen. Gantenbein will warnen, will aufrütteln, er will, dass die Gesellschaft endlich die Augen öffnet. Denn er kann einfach nicht verstehen, dass viele Leute selbst in seinem Umfeld bloss mit den Achseln zucken, wenn sie erstmals vom neuen Nachrichtendienst­gesetz hören. «Die freiheitlichen Werte unserer Gesellschaft sind in Gefahr», sagt er. «Nicht mehr und nicht weniger.»

Heute Montag und morgen Dienstag berät der Nationalrat das neue Nachrichtendienstgesetz, das dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB) erlauben soll, private Räume zu verwanzen, Telefone abzuhören, E-Mails mitzulesen, per Staatstrojaner in fremde Computer einzudringen und Privatpersonen und Unternehmen zur Auskunft zu verpflichten (siehe Kasten). «Das Gesetz verleiht dem NDB sehr viele Kompetenzen», sagt Gantenbein. «Und das ohne greifende Kontrollinstanzen. Es ist, als gäbe man einem Fünfjährigen eine ­Motorsäge zum Spielen.»

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Written by Dennis Bühler

16. März 2015 at 23:08