Dennis Bühler – Journalist

Recherchen, Reportagen, Portraits, Interviews und Analysen zu Politik, Medien, Gesellschaft und Sport

Archive for the ‘Die Südostschweiz’ Category

«Die 1:12-Initiative ist gar nicht wirtschaftsfeindlich»

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1zu12Am 24. November stimmt die Schweizer Bevölkerung über die 1:12-Initiative ab, die den höchsten Lohn in einem Unternehmen auf das Zwölffache des tiefsten Lohns beschränken will. Der Zürcher Historiker Jakob Tanner sieht in der Initiative eine demokratische Kritik an der grösser gewordenen Ungleichheit im Land. Die helvetische Wirtschaft sei keine von der Elite kontrollierte Alpenfestung mehr.

Ein Interview, erschienen am 15. Oktober 2013 in der Südostschweiz und am 23. Oktober 2013 in der Nordostschweiz / Aargauer Zeitung.

Jakob Tanner, wie stehen die Erfolgschancen der Schweiz, ihren Wohlstand trotz wegfallenden steuerlichen Standortvorteilen auf dem bisherigen Niveau zu halten?

Ein Festhalten an überholten Modellen bringt jedes Land auf die Verliererstrasse. Die Schweiz kann sich beispielsweise dem automatischen Informationsaustausch nicht einfach verweigern, wenn Banken gleichzeitig ihre Spitzenstellung im globalisierten Vermögensverwaltungsgeschäft behaupten wollen. Die Vermarktung des «Sonderfalls Schweiz» ist historisch an seine Grenzen gestossen. Die helvetische Wirtschaft ist keine von der nationalen Elite kontrollierte Alpenfestung mehr. Um oben zu bleiben, müssen wir Arbeitskräfte gut ausbilden und auf Qualitätsproduktion setzen. Unsoziale Tieflöhne und unverschämte Spitzengehälter sind die Kehrseiten ein und derselben Zukunftslosigkeit.

Hat die Schweiz die Zeichen der Zeit erkannt?

Man könnte nüchtern sagen, die Schweiz habe im 20. Jahrhundert stets nach der Devise gehandelt: Wer zu spät kommt, den belohnt das Leben. Es liegt in der Tradition des Landes, erfolgreich zu sein, indem man die Zeichen der Zeit offiziell nicht ernst nimmt. Insofern sind wir auf Kurs.

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Written by Dennis Bühler

24. Oktober 2013 at 17:22

Die SP hat fast all ihre Ziele erreicht

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SozialdemokratieDie Sozialdemokratische Partei der Schweiz feiert ihren 125. Geburtstag. Eine Reise durch die Parteigeschichte von der «Kapelle Greulich» über den Landesstreik und den Kampf fürs Frauenstimmrecht bis in die Gegenwart.

Die Historie der ältesten Schweizer Partei und ein Interview mit Cédric Wermuth, dem zweitjüngsten SP-Nationalrat, erschienen am 7. September 2013 in der Südostschweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung.

Am Anfang stand «Papa Greulich». Der in Schlesien in armen Verhältnissen aufgewachsene Buchbinder Herman Greulich fand während seiner Wanderjahre in die Stadt Zürich. Und ging nie mehr weg. Zwar scheiterten 1870 und 1880 seine beiden Versuche, hierzulande eine sozialdemokratische Partei zu gründen. Der vom Berner Juristen Albert Steck initiierte dritte Anlauf acht Jahre später aber war von Erfolg gekrönt, und Greulich wurde die erste grosse Figur der Schweizer Sozialdemokratie: Er war 38 Jahre lang Sekretär der Arbeiterbewegung und Teil der Stadtzürcher Legislative, er sass jahrzehntelang im Zürcher Kantons- und 20 Jahre im Nationalrat, wo die siebenköpfige SP-Fraktion zu Beginn des 20. Jahrhunderts als «Kapelle Greulich» bekannt war.

Greulich war einer der ersten Verfechter des Frauenstimmrechts und gleicher Löhne für beide Geschlechter, obwohl auch er Vorbehalte hatte: «Gewiss hat jedes Geschlecht seine Eigenart», sagte er 1917 im Zürcher Kantonsrat. «Beim weiblichen herrscht das Gefühlsleben vor. Es ist für den Mann ein Rätsel, weil er in das Innenleben des Weibes nicht eindringen kann. Darum ist er geneigt, es als minderwertig zu betrachten.» Trotzdem aber gebühre der Frau das Stimmrecht, ganz einfach weil sie auch ein Mensch sei.

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8. September 2013 at 18:41

Weit weg von den eigenen Ansprüchen

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LetzigrundDie Stadt Zürich hat kürzlich die Pläne beerdigt, ein neues Kongresszentrum zu errichten. Nun droht auch das von langer Hand geplante Fussballstadion an der Urne zu scheitern. Die grösste Stadt der Schweiz ist satt und genügsam geworden.

Ein Feature zur Lage der Stadt Zürich und ein Interview mit FCZ-Präsident Ancillo Canepa, erschienen am 22. August 2013 in der Südostschweiz und der Nordostschweiz / Aargauer Zeitung.

In Zürich, könnte man zuweilen glauben, wachsen die Bäume in den Himmel. Seit Dezember 2011 gibt es den Prime Tower, das mit 126 Metern und 36 Stockwerken höchste Gebäude der Schweiz, mit einer Bar mit Lounge und einem Edelrestaurant in den obersten beiden Etagen. Die Weinkarte ist 28 Seiten lang, für eine Flasche Champagner kann man hier bis zu 540 Franken ausgeben. Für die grösste Stadt der Schweiz ist nur das Höchste, Teuerste, Grossartigste gut genug, dies verlangt das Selbstverständnis. Ihre Werber und Kommunikatoren sprechen gerne von der «Greater Zurich Area» und meinen, Teil einer Millionenmetropole zu sein, auch wenn man dafür Einsiedeln oder Chur miteinrechnen muss.

Blickt man vom Prime Tower nach Nordwesten über die Bahngleise, sieht man in anderthalb Kilometern Entfernung die brachliegende Fläche, die darauf wartet, endlich ihren alten Glanz zurückzuerlangen. Früher, von 1929 bis 2007, war hier die Heimat der Grasshoppers und der Hardturm eine Stätte grosser Erfolge. 27 Meistertitel sind einsamer Landesrekord. Seit sechs Jahren aber wird hier kein Fussball mehr gespielt. Heute in einem Monat wird über einen Neubau abgestimmt, der Ausgang ist ungewisser denn je.

Written by Dennis Bühler

22. August 2013 at 19:00

«Wir setzen unsere Ideen um, wenn wir an der Macht sind»

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Jugendparlament300 Jugendliche aus 36 Ländern debattieren in Zürich über die Zukunft Europas – ein Knochenjob wie bei den Grossen. Probleme lösen will der Nachwuchs, die Welt verändern nicht unbedingt.

Eine Reportage aus einem Konferenzsaal, erschienen am 27. Juli 2013 in der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung und der Südostschweiz.

Dass das Leben als Politiker hart und voll von Ritualen ist, wird den Jugendlichen, falls sie es nicht eh längst wissen, rasch klar: Bevor die Debatte beginnen kann, muss die Generalversammlung des europäischen Jugendparlamentes Reden von Sponsoren und Lobbyisten über sich ergehen lassen. Dann, nach 45 langen Minuten, erheben sich die 300 16- bis 25-jährigen Jugendlichen aus 36 Ländern für die neunte Sinfonie Ludwig van Beethovens, die Europahymne. Mucksmäuschenstill ist es – vielleicht aus Andacht, vielleicht, weil niemand den Beginn der Diskussion noch weiter hinauszögern will. Mit Ausnahme der Parlamentspräsidentin, der 25-jährigen Münchnerin Kerstin Mathias, die erst noch die Regeln erläutern muss, etwa die streng limitierte Redezeit.

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Written by Dennis Bühler

27. Juli 2013 at 15:34

Veröffentlicht in Aargauer Zeitung, Die Südostschweiz

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Von einem kleinen Beben lässt sich Familie Ruf nicht stören

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ErdbebenAm Fusse des Bohrturms des St. Galler Geothermie-Projekts liegt der Bauernhof der Familie Ruf. Eine Reportage von einem Ort, der für gewöhnlich nur wegen des Open Airs in die Schlagzeilen gerät.

Erschienen am 23. Juli 2013 in der Südostschweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung.

Wo Hunderte Zelte standen, wo Heerscharen in Gummistiefeln feierten bis zum Umfallen und sich im Schlamm suhlten, wo Sophie Hunger und Die Ärzte auf Bühnen standen und sich von den Fans feiern liessen, sind die Wiesen braun und tot. Eine Landschaft ohne Gräser zeugt vom viertägigen Wahnsinn. Doch ist der Schlamm längst getrocknet, der das Open Air St. Gallen vor dreieinhalb Wochen genauso prägte wie die gute, laute Musik. Die Vögel zwitschern, die Sitter fliesst zwischen den Bäumen hindurch, die Sonne brennt vom Himmel herab. Eine heile Welt eigentlich, die ihre Ruhe wiedergefunden hat. Wäre da nicht der Bohrturm ennet des Flusses, einige dutzend Meter entfernt nur, der über der grössten Baustelle der Stadt 58 Meter in die Höhe ragt. Eine deutsche und eine Schweizerflagge flattern hoch über der Plattform, auf der in der Nacht auf Samstag Menschenleben auf dem Spiel standen, oder, um es mit Stadtrat Fredy Brunner zu sagen: wo sich ein Super-GAU ereignete.

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24. Juli 2013 at 12:00

Veröffentlicht in Aargauer Zeitung, Die Südostschweiz

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Mal von linker, mal von rechter Seite

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Screenshot Die Südostschweiz, 3. Mai 2013Die Volkswahl des Bundesrates haben in den letzten 165 Jahren immer jene gefordert, die sich im Bundesrat nicht genügend vertreten sahen. Jetzt ist es die SVP. Die Volkswahl – eine Idee von Verlierern?

Ein historischer Abriss, erschienen am 3. Mai 2013 in der Südostschweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung.

Manch einer hat in 165 Jahren Bundesstaat die Volkswahl gefordert. Staatsgründer Ulrich Ochsenbein gehört dazu, einige Wochen nach der Verfassungsgebung 1848 vom Parlament mit der höchsten Stimmenzahl in den ersten Bundesrat gewählt. Sein Postulat wird von der verfassungsgebenden Tagsatzung jedoch knapp mit 10:9 Stimmen abgelehnt. Nie wieder werden jene, die das Volk für das richtige Wahlgremium halten, ihrem Ziel so nah sein. Christoph Blocher ist einer von ihnen, um die Jahrtausendwende einer der lautstärksten Polterer für die Volkswahl, nach seinem Eintritt in die Regierung in dieser Frage aber plötzlich zurückhaltend. Seine Abwahl im Dezember 2007 nimmt er zum Anlass, um die Idee aus der Schublade zu holen und eine Volksinitiative zu lancieren. Nicht mehr National- und Ständerat sollen über die  Zusammensetzung der Regierung entscheiden, sondern das Volk. Am 9. Juni wird abgestimmt. Nicht zum ersten Mal. Die Volkswahlidee, schrieb einst der 2003 verstorbene Rechtsprofessor Alfred Kölz, sei «wie die Glut, die unter verschiedenen politischen Winden periodisch immer wieder aufflamme».

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8. Mai 2013 at 00:07