Dennis Bühler – Journalist

Recherchen, Reportagen, Portraits, Interviews und Analysen zu Politik, Medien, Gesellschaft und Sport

Sprüche und Weisheiten für eine Viertelmillion

leave a comment »

Samedin, Screenshot«Wir wollen doch bloss wieder Kinder sein, weil aufgeschlagene Knie viel schneller heilen als gebrochene Herzen» – mit kitschigen Lebensweisheiten wie dieser begeistert der St. Galler Samedin Selimovic Hunderttausende in den sozialen Medien. Ein Porträt des erfolgreichsten Instagramers der Schweiz, erschienen am 20. März 2015 in der Südostschweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung sowie am 21. März 2015 auf Watson.

In engen Kurven schlängelt sich der Bus den Berg empor, vorbei an  grünen Wiesen, schmucken Holzchalets und den Haltestellen Post, Hirschen, Seestern und Montana, unter sich ein Nebelmeer und den Walensee zurücklassend, über sich den Leistchamm, den Flügenspitz, den Mattstock und einen strahlend blauen Himmel. Hier also ist er zu Hause, der König der Likes, dem auf Instagram 278 000 Menschen folgen und auf Facebook 130 000. Als der Bus in die Haltebucht der Station Brugg einfährt, drücken drei Primarschüler ihre Nasen an die Scheibe: «Schaut, schaut, dort steht Samedin», rufen sie.

Hier, in der totalen Idylle, im sanktgallischen Amden auf 903 Meter über Meer, ist Samedin Selimovic bekannt, ein Star fast. So, wie er es online im ganzen deutschen Sprachraum ist. Ein Vorbild will er sein für die Jugend, und er hat genügend Selbstvertrauen, um zu sagen: «Das bin ich längst. Schliesslich habe ich mehr Follower als Xherdan Shaqiri.»

Weiterlesen (pdf)…

Written by Dennis Bühler

20. März 2015 at 16:15

«Verrätst du mir den PIN-Code deines Bankkärtchens?»

leave a comment »

Weiterlesen (pdf)...Der Bündner Simon Gantenbein kämpft an vorderster Front gegen das neue Nachrichtendienstgesetz, über das der Nationalrat in der Frühjahrssession befindet. Ein Porträt, erschienen am 16. März 2015 in der Südost-schweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung.

Simon Gantenbein spricht beim Gespräch in einem Café in der Berner Innenstadt derart laut und bestimmt, dass sich irgendwann die beiden Rentner vom Nebentisch erheben und zur Mässigung aufrufen. Gantenbein will warnen, will aufrütteln, er will, dass die Gesellschaft endlich die Augen öffnet. Denn er kann einfach nicht verstehen, dass viele Leute selbst in seinem Umfeld bloss mit den Achseln zucken, wenn sie erstmals vom neuen Nachrichtendienst­gesetz hören. «Die freiheitlichen Werte unserer Gesellschaft sind in Gefahr», sagt er. «Nicht mehr und nicht weniger.»

Heute Montag und morgen Dienstag berät der Nationalrat das neue Nachrichtendienstgesetz, das dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB) erlauben soll, private Räume zu verwanzen, Telefone abzuhören, E-Mails mitzulesen, per Staatstrojaner in fremde Computer einzudringen und Privatpersonen und Unternehmen zur Auskunft zu verpflichten (siehe Kasten). «Das Gesetz verleiht dem NDB sehr viele Kompetenzen», sagt Gantenbein. «Und das ohne greifende Kontrollinstanzen. Es ist, als gäbe man einem Fünfjährigen eine ­Motorsäge zum Spielen.»

Weiterlesen (pdf)…

Written by Dennis Bühler

16. März 2015 at 23:08

Scharfsinnig und scharfzüngig zugleich

with one comment

Kurt ImhofAm Sonntag ist der streitbare Zürcher Soziologe und Medienkritiker Kurt Imhof 59-jährig an Krebs verstorben. Ein Nachruf, erschienen am 3. März 2015 in der Südostschweiz.

In seinem Büro in Zürich-Oerlikon, in dem sich Bücher und Unterlagen bis unter die Decke stapelten, stand Kurt Imhof gerne am gekippten Fenster, vorbei fahrende Züge und vorbei eilende Studenten im Blick, eine Zigarette in der Hand. Natürlich rauchte er drinnen, natürlich war das verboten, natürlich wusste er die Rauchmelder zu überlisten. Regeln und Gesetzmässigkeiten, die ihn nicht überzeugten, ignorierte Imhof. Oder er prangerte sie lautstark an. Mitarbeiter von Online-Portalen nannte er «Kindersoldaten», Newsrooms «Verrichtungsboxen», er sprach von «Hexenverfolgung» und einer «Diktatur der Reichweite», er ortete eine Qualitätserosion der Schweizer Medien, wähnte Relevanzkriterien gegen die Klickgeilheit von Medienmachern und Publikum auf verlorenem Posten. Kurt Imhof bediente sich der Mechanismen, die er so stark kritisierte, er spitzte zu, skandalisierte, prangerte an. Der Aufschrei der Medienschar war stets gross, es ärgerten sich Chefredaktoren und Verleger im ganzen Land. Der Mahner kam ungelegen, weil Medien lieber mit dem Finger auf andere zeigen als auf sich selbst.

Weiterlesen (pdf)…

Written by Dennis Bühler

2. März 2015 at 22:00

Veröffentlicht in Die Südostschweiz

Tagged with , , , ,

«Gott ist nicht hoch oben zu Hause»

leave a comment »

FlughafenpfarrerNicht beim Fliegen sei er Gott am nächsten, sondern wenn er sich runterbücke zu jenen, denen es nicht so gut geht, sagt Walter Meier. Der Flughafenpfarrer kümmert sich um Flight Attendants genauso wie um Obdachlose und Passagiere.

Ein Porträt, erschienen am 22. Dezember 2014 in der Südostschweiz und am 4. Januar 2015 in der Schweiz am Sonntag.

Raum 2-126 im Check-in 1 ist kaum zu finden. Wer zum Pfarramt am Flughafen Zürich-Kloten gelangen möchte, muss sich seinen Weg an Reisenden vorbei bahnen, die Schlange stehen, um ihr Gepäck aufzugeben, muss sich vor der Billettkontrolle rechts halten und eine steile Wendeltreppe emporsteigen, um sich dort zwischen Tischen und Stühlen eines asiatischen Schnellrestaurants durchzuschlängeln. Dann, am Ende eines anonymen, langen Gangs, steht man vor dem Andachtsraum und, ein paar Meter weiter, vor dem Pfarramt. Dort sitzt Walter Meier an seinem Schreibtisch, der 62-jährige Seelsorger, mit seinen zwei Metern Körpergrösse auch sitzend eine beeindruckende Erscheinung. Noch, sagt er, friste das Flughafenpfarramt ein Schattendasein, doch bald sei damit Schluss. «Ab 2016 sind wir an erstklassiger Passantenlage untergebracht, gleich neben dem Zugang zur Zuschauerterrasse.»

In einem Flughafen werde ständig gebaut, das sei eine permanente Baustelle. Der gegenwärtige Standort sei denn auch ein grosses Manko, weil es an Laufkundschaft fehle. Sinnbildlich aber sei die wegen Umbauarbeiten so versteckte Lage gar nicht so unpassend. «Unser Leben ist doch auch ein einziges Provisorium.»

Weiterlesen (pdf)…

Written by Dennis Bühler

24. Dezember 2014 at 09:00

«Grösste Diva des Landes» – Streit der Politologen eskaliert

leave a comment »

Politologen-KnatschMichael Hermann attackiert Claude Longchamp scharf – und relativiert seine Aussagen Stunden später. An seinen Plänen, die «Dominanz» des SRF-Politologen mithilfe von Thomas Milic anzugreifen, hält Hermann allerdings fest.
 
Ein Hintergrundbericht, erschienen am 3. Dezember 2014 in der Südostschweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung.
 

Der Angriff erfolgte ganz zum Schluss, kurz bevor Roger Schawinski zur Abmoderation der nach ihm benannten SRF-Talksendung ansetzte. Sie wollten das Meinungsforschungsmonopol von Claude Longchamp und dessen GFS-Institut aufbrechen, sagten die beiden Gäste Michael Hermann und Thomas Milic am Montagabend. «Longchamp muss sich warm anziehen», fügte Hermann mit einem Augenzwinkern hinzu. Dass er es ernst meint, merkte man indes spätestens bei der Lektüre der gestrigen NZZ. «Longchamp ist die grösste Diva im Land», wurde der Politgeograf der Universität Zürich zitiert. «Niemand getraut sich, gegen ihn anzutreten, weil er zu dominant ist.»

Auf Anfrage der «Südostschweiz» ruderte Hermann gestern Nachmittag zwar zurück. «Ich bin nicht glücklich mit dem NZZ-Zitat, das ich nicht gegen gelesen habe», sagte er. «Das war unprofessionell von mir.» Tatsache sei jedoch, dass er schon immer ein schwieriges Verhältnis mit Longchamp gehabt habe. «Er hat mich als Konkurrenz verstanden, obwohl ich ihn eher als Vorbild sah.»

Weiterlesen (pdf)…

Written by Dennis Bühler

3. Dezember 2014 at 15:00

Veröffentlicht in Aargauer Zeitung, Die Südostschweiz

Tagged with , ,

«Das Minarettverbot gilt nicht absolut»

leave a comment »

Bild Fünf Jahre MinarettHeute vor fünf Jahren votierten 57,5 Prozent der Stimmbürger für ein Verbot von Minaretten. Wie das Bundesgericht urteilen würde, wenn ein Baugesuch für ein Minarett zu begutachten wäre, ist dennoch ungewiss.

Mit welchen Erinnerungen und Gedanken Kabarettist Viktor Giacobbo, Musiker Dabu Bucher, Initiant Walter Wobmann und Saïda Keller-Messahli, Gründerin und Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, auf die Annahme der Minarettinitiative zurückblicken.

Vier Erinnerungen, erschienen am 29. November 2014 in der Südostschweiz und der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung.

Viktor Giacobbo

«Die Minarettinitiative war von einigen fragwürdigen Abstimmungsvorlagen in letzter Zeit die dümmste und wirkungsloseste. Oder glaubt heute wirklich jemand, die Schlächter des Islamischen Staates würden sich von einem Türmchenverbot beeindrucken lassen? Die Initiative hat überhaupt nichts gebracht. Im Gegenteil: Sie hat das Image der Schweiz in der Welt verschlechtert und moderate, integrierte Muslime diskriminiert. Dabei müssten gerade diese im Kampf gegen islamistische Fundamentalisten gestärkt werden.»

Dabu Bucher

«Musik ist in meinem Leben ein sehr wichtiges Ventil. Darum musste ich mich sofort ins Studio setzen, einen Song schreiben und ihn noch am selben Abend aufnehmen und veröffentlichen. ‘S’Volk i dem Land folgt nüm voll sim Verstand’, habe ich gesungen. Denn für die Annahme der Minarettinitiative fehlte mir jegliches Verständnis.»

Walter Wobmann

«Ich hatte in den Wochen nach der Abstimmung mehrere tausend Zuschriften aus dem In- und Ausland erhalten. Bloss ein, zwei Prozent davon waren negativer Art. Im Ausland reagierten viele Menschen neidisch auf die Chancen, die unser direktdemokratisches System bietet. Denn auch sie hätten gerne ein Zeichen gegen den extremen Islam gesetzt.»

Saïda Keller-Messahli

«Ich war mit dem Auto unterwegs zum Radiostudio in Bern und schon fast am Ziel, als ich die Nachricht hörte, die Minarettinitiative werde Hochrechnungen zufolge deutlich angenommen. Wie kurz erblindet fuhr ich in ein vor mir auf das grüne Licht der Ampel wartendes Auto – so irritiert war ich. Meine Enttäuschung war gross, denn das Bauverbot für Minarette passte so gar nicht zu meinem Bild von der Schweiz.»

Weiterlesen (pdf)…

Written by Dennis Bühler

29. November 2014 at 18:30