Dennis Bühler – Journalist

Recherchen, Reportagen, Portraits, Interviews und Analysen zu Politik, Medien, Gesellschaft und Sport

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«Eine Redaktion ist keine Kaserne»

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Eine Redaktion ist keine Kaserne

Veränderungen sind mit Schmerzen verbunden. Das gilt auch in der Zeitungsbranche: Konvergent sollen die Redaktionen arbeiten, den bewährten Print- und den schnellen Onlinekanal gleichzeitig und zielgruppengerecht bespielen. Dass dies hier wie da Ängste weckt, erleben gegenwärtig die beiden Schweizer Leitmedien, die «Neue Zürcher Zeitung» und der «Tages-Anzeiger».

Eine Beobachtung, erschienen am 14. November 2013 in der Südostschweiz.

Tief sind die Gräben beim «Tages-Anzeiger». In einem Brief, der diese Woche an Chefredaktor Res Strehle über – geben wurde, verleiht die Redaktion ihrem Unmut Ausdruck. «Wir beschleunigen unentwegt», wird kritisiert. «Das Tagesgeschäft ist nervös, klick getrieben und damit auch anfällig für nicht hinterfragtes Mitwirken in boulevardesken Übertreibungen und Kampagnen.» Die Redaktoren müssten alles machen: schreiben, diensten, floaten, twittern, filmen, foto grafieren, skribbeln. Zwischen Print und Online herrsche der Eindruck zweier nur schwer zu vereinbarenden Kulturen. Kontraproduktiv sei der Befehlston, der online an der Tagesordnung sei. Denn: «Eine Redaktion ist keine Kaserne.»

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15. November 2013 at 12:00

Veröffentlicht in Die Südostschweiz

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«Rädern oder vierteilen?»

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Rädern oder Vierteilen«Zensur an der Uni Zürich: Dozent verbietet Gratiszeitungen» – die Empörung auf «blick.ch» und in der Gratiszeitung «Blick am Abend» war in den letzten zwei Tagen riesig. Zu Unrecht.

Eine Glosse, erschienen am 6. November 2013 in der Südostschweiz.

«Zensur an der Uni Zürich: Dozent verbietet Gratiszeitungen» – die Empörung auf «blick.ch» und in der Gratiszeitung «Blick am Abend» war in den letzten zwei Tagen riesig. Publizistikprofessor Mark Eisenegger, der mit dem streitbaren Kurt Imhof Herbst für Herbst im Jahrbuch «Qualität der Medien» den Verfall der Schweizer Presse moniert, hatte in einem Interview mit dem Branchenmagazin «Edito» gesagt, in seinem Institut sei es Studenten verboten, Gratiszeitungen in den Vorlesungsoder Seminarraum mitzunehmen. «‘20 Minuten’ oder ‘Blick am Abend’ gehören nicht in eine Universität oder Hochschule, ausser sie werden analysiert.» Die Schlagzeilen waren schnell gemacht: Die elitären Professoren verbieten ihren Studenten nicht nur die Befriedigung des Bedürfnisses nach schneller Information. Nein, noch schlimmer: Sie zensurieren, als unterrichteten sie in Pjöngjang statt in Zürich. Auf Twitter malte sich die Schweizer Journaille aus, wie mit renitenten Studenten wohl so umgesprungen werde. «Augen ausstechen wie im Mittelalter?», fragte einer, «Rädern, vierteilen oder mit Pech übergiessen?» ein anderer.

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7. November 2013 at 12:00

Veröffentlicht in Die Südostschweiz

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Im Bann der olympischen Ringe

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Screenshot der Zeitung "Schweizer Journalist"Die Bündner Verleger um Hanspeter Lebrument machen sich für Olympische Spiele in St. Moritz und Davos stark, auch die Redaktionen bekennen sich offen zur Kandidatur. Und Ringier verdient schon in der Kandidaturphase mit. Finden die Olympischen Spiele 2022 in der Schweiz statt, erhofft sich der Boulevard-Verlag ein gutes Geschäft und Schub für seine Unterhaltungsstrategie.

Eine medienkritische Analyse, erschienen in der März-2013-Ausgabe des Branchenmagazins Schweizer Journalist.

Finden die Winterspiele in neun Jahren in Graubünden statt, dürften die vom nationalen Organisationskomitee und von Swiss Olympic gemanagten Sponsoringpakete von der Vermarktungsagentur Infront Ringier vergeben werden – saftige Provisionen inklusive. „Wenn Infront Ringier sich dadurch in die Poleposition gebracht hat, den lächerlich geringen Betrag von 15 Millionen für die Kandidatur zu beschaffen, ist der Agentur ein richtig guter Schachzug gelungen“, sagt der deutsche Investigativjournalist und Blogger Jens Weinreich, der sich mit Recherchen rund um Korruption im Sport einen Namen gemacht hat. Ringier-Sprecher Estermann sagt: „Olympische Spiele bieten für ein diversifiziert aufgestelltes Medienunternehmen wie Ringier diverse interessante Opportunitäten.“

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28. Februar 2013 at 12:00

Veröffentlicht in Schweizer Journalist

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Prominente prominenter machen

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Vom Geschäft mit Buchstaben zum Unterhaltungskonzern: Der Ringier Verlag berät Sportler, Models und Moderatoren, über die seine Blätter schreiben. Kritiker sehen die publizistische Freiheit gefährdet – und damit die Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche.

Die Analyse eines umstrittenen Geschäftsmodells, geschrieben im November und Dezember 2011 am maz – Die Schweizer Journalistenschule (unveröffentlicht).

In einem grossen, zweiseitigen Interview  bot der SonntagsBlick Fabian Cancellara im April 2011 an prominentester Stelle – gleich in den ersten zwei Fragen – Gelegenheit, um für sein neu erschienenes Buch zu werben. „Journalistisch ist das absolut korrekt“, sagt Ringier-Kommunikationschef Edi Estermann. „Wir berichten regelmässig über Prominente, die ein neues Buch oder eine CD herausbringen. Das hat nichts mit Pool Position zu tun.“

Mirjam Jäger, eine auch bei Sportinteressierten nahezu unbekannte Freeskierin, erhielt im Blick im Dezember 2010 eine grosse Plattform. Titel der ganzseitigen Geschichte mit Bikini-Fotos: „Heisse Mirjam – Jägerin auf Goldpirsch.“ Untertitel: „Ihr Anblick bringt die eisigste Piste zum Schmelzen: Freeski-Schönheit Mirjam Jäger kann unser neues Golden-Girl werden.“ Eine Anmerkung, dass Jäger bei Pool Position und damit Ringier unter Vertrag steht, fehlte. „Korrekte Vorgehensweise“, sagt Estermann. Sollte im Sinne der Transparenz gegenüber den Lesern nicht auf das vertragliche Verhältnis hingewiesen werden? „Wenn es die Redaktion als notwendig erachtet, wird dies gemacht.“

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4. Dezember 2011 at 12:00

Veröffentlicht in unpublizierte Texte

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Hektik auf dem Marktplatz

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Eine Reportage, geschrieben im Juni 2010 als Bewerbung für den Master of Arts in Journalism am maz – Die Journalistenschule und an der Hamburg Media School (unveröffentlicht).

Auf einem Pult liegt ein Plüschelefant, auf einem anderen stehen Salz- und Pfefferstreuer bereit. Über einem Bürostuhl hängt ein Wollpullover, auf einem Tisch sind CDs gestapelt. In einer Fensternische steht ein halb gefüllter Trinkbecher, das Wasser ist abgestanden und trüb geworden. An der Wand hängt der Dienstplan des vergangenen Dezembers. Der Redaktionsraum sieht aus, als wäre er überstürzt verlassen worden. Als ob ihm mit einem Schlag alles Leben ausgehaucht, alles zum ewigen Stillstand verdammt worden wäre. Am 4. Dezember 2009 wurde die Pendlerzeitung News eingestellt. Die Angestellten erfuhren am Morgen, dass sie für den nächsten Tag keine Ausgabe mehr zu produzieren brauchten. Das für denselben Tag anberaumte Weihnachtsessen der Redaktion geriet zur Henkersmahlzeit.

Einige Meter neben dem stillgelegten Grossraumbüro herrscht reger Betrieb. Immer wieder erschallen laute Direktiven, wird quer durch das Zimmer geschrien. Das Geschehen erinnert an einen Marktplatz. Dreissig Journalisten teilen sich den langgezogenen Raum. „Ich habe den Oasis-Artikel auf Position drei herabgestuft“, ruft Stefan Eiselin, Tagesleiter des Newsnetzes, der gemeinsamen Online-Plattform der zur Tamedia gehörenden Printerzeugnisse. „Der Text zur Auflösung der Band hat überhaupt nicht interessiert, im Gegensatz zur Bildstrecke zum Eurovisionsfinale.“ Missmutig nimmt es Olivia Kühni, die Autorin des degradierten Artikels, zur Kenntnis. Argumente gegen den Entscheid ihres Vorgesetzten hat sie nicht. Der Webseismograph nämlich ist unerbittlich; er lügt nie.

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Written by Dennis Bühler

13. Juni 2010 at 12:00

Veröffentlicht in unpublizierte Texte

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