Dennis Bühler – Journalist

Reportagen, Portraits, Interviews und Analysen aus Politik, Medien, Gesellschaft und Sport

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«Only good for Chocolate»: WM mit Ruefer, Federer und Rickli

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WM-Kolumne93. Minute, Schweiz gegen Ecuador, Tor Haris Seferovic – die Fussball-Nationalmannschaft hat ihren Kopf im Startspiel der Weltmeisterschaft in letzter Minute noch aus der Schlinge gezogen. Trotzdem: Hat das Team von Ottmar Hitzfeld in Brasilien eine Chance? Oder ist es «only good for Chocolate»?

Eine WM-Kolumne, erschienen am 16. Juni 2014 in der Südostschweiz.

Das Spiel hat gestern Abend kaum begonnen, als sich mein Verständnis für Sascha Ruefer bereits erschöpft hat. Der SRF-Kommentator spricht von «Burschen» und auch sonst zu viel, Grund genug, den Ton auf stumm zu schalten und auf Twitter zu vertrauen. Dort allerdings, merke ich rasch, neigt man ebenso zur Übertreibung. «Shaqiri is a pure beast!! #monster», schreibt Twitter-User Northern Gunner, dabei hat unser Kraftwürfel in der 16. Minute doch nur einen ersten, völlig harmlosen Schuss abgegeben. Roger Federer braucht nicht bedauert zu werden. «Got doubles finals now with my partner @mchiudinelli33. During the swiss soccer game!!», hat der Tennisstar getwittert. Er verpasst wenig.

«Switzerland is only good for chocolate», stellt Sultan Purewal auf Twitter fest, nachdem Ecuador das 1:0 erzielt hat. Und das deutsche Fanmagazin «11 Freunde» tickert: «Die Schweizer wirken etwas unbeteiligt. Fast schon neutral.» Bei Twitter ist man sich einig, dass dies die schwächste aller bisherigen WM-Partien ist.

Vergessen wird zu diesem Zeitpunkt, was ich als Anhänger des FC Zürich schon seit dem 13. Mai 2006 weiss: Die wichtigste Spielminute einer Fussballpartie ist und bleibt die 93. Minute. Und tatsächlich: Valon Behrami kämpft wie damals Alain Nef, die Flanke von Ricardo Rodriguez ist so präzis wie jene von Florian Stahel, Haris Seferovic so kaltblütig wie Iulian Filipescu. Das Tor bringt der Schweiz nur zwei zusätzliche Punkte, noch nicht den Titel. Aber der Start ist geglückt. «Sooo geil!!!!», twittert nun sogar Natalie Rickli. Auch die SVP-Nationalrätin freut sich über die Kombination zum Tor. Sie hat über den Kosovo, Chile/Spanien und Bosnien geführt.

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16. Juni 2014 at 12:00

Veröffentlicht in Die Südostschweiz

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Pirouetten in hoher Luft

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PirouettenEinmal contra, einmal pro Gripen: Verteidigungsminister Ueli Maurer und «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel argumentieren, wie es ihnen gerade passt. Eine Linie ist nicht ersichtlich. Stattdessen Pirouetten in hoher Luft.

Eine Kolumne, erschienen am 4. Mai 2014 in der Schweiz am Sonntag (und tags darauf in der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung).

Für einmal kann diese Kolumne, die ja eigentlich «Aus Berner Sicht» heisst, nicht bloss in der Bundesstadt spielen. Denn die Förrlibuckstrasse 70 in 8005 Zürich liegt der Schwanengasse 2 in 3003 Bern näher, als es auf den ersten Blick scheint. Auch wenn, um von Punkt A zu Punkt B zu kommen, 123 Kilometer Asphalt auf der Autobahn A1 zurückgelegt werden müssen.

An der Förrlibuckstrasse hat Roger Köppel sein Büro, seine Redaktion und sein Wochenblatt. An der Schwanengasse hat Ueli Maurer sein Büro, seine Verwaltung und sein Armee-Kommando. Der eine denkt vor, der andere schwatzt nach. Oder ist es eher so: Der eine denkt vor, der andere schreibt nach? So ganz klar ist das nicht. Jedenfalls: Am 14. Oktober 2009 stellte Maurer dem Bundesrat den Antrag, auf die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge zu verzichten. Man könne sie sich nicht leisten, so der Verteidigungsminister. Zwei Wochen später schrieb Roger Köppel im Editorial der «Weltwoche»: «Die Schweiz braucht zur Landesverteidigung keine Luftwaffe. Das ergibt sich zwingend aus den Fakten. Prestigesüchtige Flieger- und Panzerkäufe bringen nichts.»

Viereinhalb Jahre später klingt alles anders: «Wer Ja sagt zur Armee, muss auch Ja sagen zum Gripen», wiederholt Maurer ständig. Und Köppel steht Gewehr bei Fuss: «Keine reguläre Armee der Welt verzichtet auf Kampfflugzeuge, die periodisch ersetzt werden müssen», schrieb er diese Woche. «Deshalb gibt es keinen vernünftigen Grund gegen den Kauf neuer Maschinen des Typs Gripen E.»

Haben Ueli Maurer und Roger Köppel umgedacht? Oder damals oder heute nicht nachgedacht? So ganz klar ist das nicht.

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Written by Dennis Bühler

5. Mai 2014 at 09:00

Veröffentlicht in Aargauer Zeitung, Schweiz am Sonntag

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Äpfel, Äpfel, nichts als Äpfel

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ÄpfelBefürworter und Gegner der Masseneinwanderungsinitiative werben mit Apfelbäumen für ihr Anliegen. Nützen die viel kritisierten Kampagnen den Detailhändlern, die jetzt viel mehr Äpfel als gewohnt verkaufen? Und wieso taugen Äpfel eigentlich als Symbol für Ausländer?

Eine Kolumne, erschienen am 26. Januar 2014 in der Schweiz am Sonntag (und tags darauf in der Nordwestschweiz/Aargauer Zeitung).

Seit Anfang Dezember hängen sie wieder an den Plakatwänden, rot und prall und verheissungsvoll: die Äpfel des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse, die die Früchte der bilateralen Beziehungen mit der Europäischen Union darstellen sollen. Seit die SVP mit einem Plakat reagiert hat, auf dem die Wurzeln des Apfelbaums die Schweiz zu zermalmen drohen, und die Schweizer Wirtschaft wiederum mit einem aus einem Hodler-Gemälde entliehenen Holzfäller gekontert hat, der den Baum umzuhauen droht, spricht die ganze Schweiz von Äpfeln. Doch ist das Obst auch in aller Munde?

«In den letzten Monaten lag der Verkauf von Äpfeln ungefähr auf Vorjahresniveau», teilt die Migros auf Anfrage hin mit. Gleiches gilt für Konkurrent Coop, bei dem sich «die Umsätze in etwa auf Vorjahresniveau bewegten». 15 Kilogramm Äpfel isst der Schweizer pro Jahr, die beliebtesten Sorten heissen Gala, Golden Delicious und Braeburn. Was exotisch klingt, ist in aller Regel Schweizer Ware. Dies nicht zuletzt dank einer Art Ventilklausel, die bloss im Hochsommer ausgehebelt wird. Mitte Juni, wenn die Schweizer Ware knapp wird, wird der Zoll auf Äpfel vorübergehend aufgehoben. Ausserhalb dieser Phase ist jedes Kilo Import-Äpfel mit einem Zoll von 1.40 Franken belegt.

Was die SVP bei Menschen fordert, ist beim Obst bereits erfolgreich umgesetzt: Massnahmen, die die Einfuhr beschränken. Von den 30’000 Tonnen Äpfel, die die Migros jährlich verkauft, stammen 80 bis 90 Prozent aus einheimischer Produktion. Bei Coop sind es gar 95 Prozent. Die SVP braucht sich nicht zu sorgen: Ausländer haben in der Schweiz einen schweren Stand.

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27. Januar 2014 at 10:28

Veröffentlicht in Aargauer Zeitung, Schweiz am Sonntag

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«Eine Redaktion ist keine Kaserne»

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Eine Redaktion ist keine Kaserne

Veränderungen sind mit Schmerzen verbunden. Das gilt auch in der Zeitungsbranche: Konvergent sollen die Redaktionen arbeiten, den bewährten Print- und den schnellen Onlinekanal gleichzeitig und zielgruppengerecht bespielen. Dass dies hier wie da Ängste weckt, erleben gegenwärtig die beiden Schweizer Leitmedien, die «Neue Zürcher Zeitung» und der «Tages-Anzeiger».

Eine Beobachtung, erschienen am 14. November 2013 in der Südostschweiz.

Tief sind die Gräben beim «Tages-Anzeiger». In einem Brief, der diese Woche an Chefredaktor Res Strehle über – geben wurde, verleiht die Redaktion ihrem Unmut Ausdruck. «Wir beschleunigen unentwegt», wird kritisiert. «Das Tagesgeschäft ist nervös, klick getrieben und damit auch anfällig für nicht hinterfragtes Mitwirken in boulevardesken Übertreibungen und Kampagnen.» Die Redaktoren müssten alles machen: schreiben, diensten, floaten, twittern, filmen, foto grafieren, skribbeln. Zwischen Print und Online herrsche der Eindruck zweier nur schwer zu vereinbarenden Kulturen. Kontraproduktiv sei der Befehlston, der online an der Tagesordnung sei. Denn: «Eine Redaktion ist keine Kaserne.»

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15. November 2013 at 12:00

Veröffentlicht in Die Südostschweiz

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«Rädern oder vierteilen?»

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Rädern oder Vierteilen«Zensur an der Uni Zürich: Dozent verbietet Gratiszeitungen» – die Empörung auf «blick.ch» und in der Gratiszeitung «Blick am Abend» war in den letzten zwei Tagen riesig. Zu Unrecht.

Eine Glosse, erschienen am 6. November 2013 in der Südostschweiz.

«Zensur an der Uni Zürich: Dozent verbietet Gratiszeitungen» – die Empörung auf «blick.ch» und in der Gratiszeitung «Blick am Abend» war in den letzten zwei Tagen riesig. Publizistikprofessor Mark Eisenegger, der mit dem streitbaren Kurt Imhof Herbst für Herbst im Jahrbuch «Qualität der Medien» den Verfall der Schweizer Presse moniert, hatte in einem Interview mit dem Branchenmagazin «Edito» gesagt, in seinem Institut sei es Studenten verboten, Gratiszeitungen in den Vorlesungsoder Seminarraum mitzunehmen. «‘20 Minuten’ oder ‘Blick am Abend’ gehören nicht in eine Universität oder Hochschule, ausser sie werden analysiert.» Die Schlagzeilen waren schnell gemacht: Die elitären Professoren verbieten ihren Studenten nicht nur die Befriedigung des Bedürfnisses nach schneller Information. Nein, noch schlimmer: Sie zensurieren, als unterrichteten sie in Pjöngjang statt in Zürich. Auf Twitter malte sich die Schweizer Journaille aus, wie mit renitenten Studenten wohl so umgesprungen werde. «Augen ausstechen wie im Mittelalter?», fragte einer, «Rädern, vierteilen oder mit Pech übergiessen?» ein anderer.

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7. November 2013 at 12:00

Veröffentlicht in Die Südostschweiz

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Einfach mal verreisen

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Schweiz am Sonntag, 14. Juli 2013Während des Sommerlochs tun sich Journalisten besonders schwer, Schlagzeilen zu produzieren, die länger als bis zur nächsten Ausgabe haltbar sind. Weshalb es Universitätsprofessoren genau richtig machen, wenn sie während der ereignisarmen Sommermonate untertauchen.

Eine Kolumne, erschienen am 14. Juli 2013 in der Schweiz am Sonntag (und tags darauf in der Nordwestschweiz / Aargauer Zeitung).

Wo sind die Wissenschafter, die fern von Parteiinteressen Analyse und Einordnung bieten könnten? Der Basler Staatsrechtler Markus Schefer weilt in den USA, die Luzerner Ordinaria Martina Caroni ist auf einer mehrtägigen Bergtour. Die Zürcher Professoren Biaggini, Diggelmann, Kiener, Kley und Uhlmann sind genauso abgetaucht wie Daniela Thurnherr von der Universität Basel oder der Berner Walter Kälin. Sie alle machen es richtig: Im Juli sollte man verreisen. Durchatmen und Abstand gewinnen. Den Politikern täte eine Auszeit gut. Und den Journalisten auch.

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Written by Dennis Bühler

15. Juli 2013 at 20:00

Veröffentlicht in Aargauer Zeitung, Schweiz am Sonntag

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